Canton Musicbox XS im Test: Bose-Klon oder klangliche Innovation?

Canton ist in Deutschland als Premium-Anbieter von Audioprodukten bekannt. Nun ist der Hersteller wie so viele andere Firmen auf den Trend der mobilen Boxen aufgesprungen und hat seinen ersten Bluetooth-Lautsprecher, die Canton Musibox XS, auf den Markt gebracht. Zusätzlich hat Canton die größere Version Canton Musicbox S vorgestellt, die im Design stark dem Sony X5 ähnelt. Zahlreiche Audio-Portale hatten bereits nach der Vorstellung auf der IFA vom Spitzenklang der kleinen Musicbox und praktischen, neuen Funktionen berichtet. Ob sich die Lobpreisungen in der Praxis halten können und wie zuverlässig die Aussagen hinsichtlich des Klangs sind (die laute Umgebung der IFA eignet sich nicht gerade ideal zum Probehören), wollte ich einmal genauer wissen. So habe ich mir die Box online bestellt und über mehrere Tage hinweg mit der Konkurrenz verglichen.

Ersteindruck

Auf den ersten Blick erinnert die Optik der schwarzen Box sehr an den populären SoundLink Mini von Bose – besonders in der dunklen Carbon Variante. Generell scheinen sich immer mehr Audio-Hersteller am Erfolg des populären SoundLink Mini Speakers zu bedienen und kopieren Formgebung sowie Materialwahl mit einigen Abänderungen. Erst kürzlich hatte ich den LG Musicflow P7 getestet, dessen Design sich auf den ersten Blick kaum vom Original unterscheidet. Hier sollten Hersteller meiner Meinung nach nicht nur kopieren, sondern noch einen Schritt weiter gehen und klangliche sowie weitere technische Innovationen zeigen.

Die Verarbeitung ist, wie man es bei einem 200 Euro teuren Speaker erwarten würde, makellos. Das Aluminium-Gehäuse hinterlässt einen hochwertigen Eindruck, alle Materialübergänge sind sauber verarbeitet  und generell hinterlässt der Speaker dasselbe Premium-Feel wie die Bose-Produkte. Mit der sensiblen Metall-Optik eignet sich die Box aber eher für’s heimische Wohnzimmer wie für den Außenbereich –für Letzteres empfiehlt sich der JBL Flip 3 mit seiner stoßfesten Stoffummantelung oder auch der günstigere, wasserdichte Denon Envaya Mini.

Mit den Maßen einer Halbliter-Bierdose und einem Gewicht von ca. 750 Gramm lässt sich der portable Lautsprecher problemlos in der Jackentasche transportieren oder mal eben schnell in der Sporttasche verstauen.

Ein gummierter Standfuß sorgt für stabilen Halt und verhindert ein leichtes Umfallen (man denke etwa an den schmalen Standfuß des JBL Charge 2 oder das dünne Fundament des Beoplay A2). Das metallige Lautsprechergitter macht einen hochwertigen Eindruck, ist jedoch genauso anfällig für Kratzer und Verbeulungen wie schon beim SoundLink Mini.

Klangqualität

Beim ersten Probehören wird schnell klar: Die Box sieht dem Carbon-farbenen SoundLink Mini von Bose nicht nur verblüffend ähnlich, sie klingt auch so! Ja, die Abstimmung fällt ein wenig anders aus. Die Höhen bei der Musicbox XS sind etwas feiner gezeichnet, der Klang wirkt etwas klarer und die Bässe sind nicht ganz so extrem. Aber im Großen und Ganzen hat man die gleiche Klangsignatur. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass wohl die gleichen bzw. sehr ähnliche Passivradiotoren zum Einsatz kommen und diese auch noch exakt gleich positioniert sind.

Im Gegensatz zum SoundLink Mini sind bereits ab halber Lautstärke deutliche Klangprobleme wahrzunehmen. Bei populärer Mainstream-Musik beginnt die Box hier bereits zu wummern, leicht zu dröhnen und die Bässe übersteuern merklich. Das kommt selbst beim SoundLink Mini 2 erst bei den ganz oberen Lautstärken vor. Dreht man ein wenig mehr auf, ist Musik kaum noch zu genießen. Sie wird zwar weniger komprimiert wie bei Bose, doch die Bässe verschwinden rasant in den Hintergrund. Hier wäre mehr zu erwarten gewesen, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass der SoundLink Mini von Bose bereits seit mehr als zwei Jahre am Markt ist.

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Funktionsumfang

Die Canton Musicbox XS hat in Sachen Funktionen einiges zu bieten: So kommt der schnellere Übertragungsstandard AptX zum Einsatz, der in der Theorie für eine Übertragung in CD-Qualität sorgen soll. In der Praxis sind die Vorteile gegenüber dem regulären Bluetooth-4.0 Standard allerdings nur schwer auszumachen. Zusätzlich verbaut Canton eine Multipairing-Funktion, sodass mehrere Geräte gleichzeitig mit dem Lautsprecher angeschlossen werden können. Pausiert man die Musik auf dem einen Gerät, kann man auf dem anderen Musikspieler seine Lieblingsplayliste fortsetzen. Sehr praktisch. Insgesamt lassen sich damit bis zu drei Geräte gleichzeitig verbinden.

Darüber hinaus gibt es eine NFC-Funktion (Nearfield Communication). So lässt sich durch das Platzieren des Smartphones in der Nähe des Lautsprechers in Sekundenschnelle eine Verbindung zum Lautsprecher herstellen. Ich selbst bin kein großer Freund dieser Technologie und finde diese bei Bluetooth-Lautsprecher eher unnötig. Das liegt daran, dass man nach anfänglich hergestellter Bluetooth-Verbindung genau so schnell eine Vebindung mit dem Musikzuspieler herstellen kann. Und das auch übere weitere Distanzen.

Praktisch ist die Stereo-Pairing Funktion, mithilfe derer man zwei Musicboxen –zukünftig vielleicht auch in verschiedenen Größen– zu einer Art Stereo-System zusammenschließen kann. Schön gewesen wäre noch eine gesonderte USB-Buchse zum Laden mobiler Endgeräte wie z.B. Smartphones oder Tablets gewesen.

Bedienung

Direkt nach dem Einschalten bleibt der Lautsprecher still und ohne Signaltöne, die Power-Taste beginnt zu leuchten. Jede Taste hat ihre eigene Leucht-Diode, sowohl der Bluetooth-Button als auch die Aux-Taste. Nach dem Ausschalten blinkt die Power-Taste für eine ganze Weile, bevor sie ausgeht. Das hätte man besser lösen können. Generell können die blinkenden Tasten etwas Verwirrung stiften. Sprachansagen signalisieren, ob sich der Lautsprecher im Pairing-Modus befindet und mit welchem Musikgerät der Speaker verbunden ist. Das ist praktisch, doch leider habe ich keinen Weg gefunden, über eine Tastenkombination oder Ähnliches die Sprachansagen zu deaktivieren.

Tasten zur Titelsteuerung sind nicht vorhanden. So kann man am Lautsprecher selbst nicht zum nächsten oder vorherigen Lied springen oder Musik pausieren. Auch über Tastenkombinationen lässt sich dies nicht bewerkstelligen.

Die Canton Musicbox XS verfügt über 16 dedizierte Lautstärkestufen. Das mag auf den ersten Blick wenig erscheinen, doch in der Praxis lässt sich die Lautstärke damit präzise genug einstellen. Bei den 100 Stufen der Bose Lautsprecher fand ich es immer ein wenig langwierig die Lautstärke herunter- oder hochzuregeln. Auch bei niedrigen Lautstärken sind die Lautstärkesprünge schön gering gehalten, sodass die Lautstärke im unteren Bereich nur langsam ansteigt. Besonders für Freunde von leiser Hintergrundmusik ist das praktisch, denn auch bei leiser Musik kann die Lautstärke feinjustiert werden.

Etwas störend finde ich die Auto-Power-Off Funktion, nach welcher sich der Lautsprecher bereits nach 5 Minuten automatisch abschaltet.

An der Rückseite befindet sich der standardmäßige Micro-USB Ausgang, der für zukünftige Updates vorgesehen ist. Auch ein Audio-Ausgang sowie eine Buchse für das Laden über die Steckdose ist vorhanden. Eine Ladeschale, wie sie etwa im Zubehör des SoundLink Mini beigelegt ist, befindet sich nicht im Lieferumfang.

Reichweite & Akku

Die Akkulaufzeit der Canton Musicbox XS hielt überraschenderweise bei maximaler Lautstärke ganze 3,5 Stunden. Das ist ein wirklich guter Wert und kann auch mit deutlich größeren Lautsprechern mithalten. Damit hält der Akku bei voller Lautstärke rund eine halbe Stunde länger wie beim Konkurrenten von Bose. Bei regulärere Zimmerlautstärke (ca. 1/3 der maximalen Lautstärke) hielt der tragbare Lautsprecher rund 10 Stunden durch, das liegt auf einem ähnlichem Niveau wie beim JBL Charge 2+ oder SoundLink Mini 2 von Bose.

Die Reichweite beträgt laut Hersteller 10 Meter. In der Praxis konnte ich auf freier Strecke jedoch ganze 25 Meter messen, bevor die Verbindung abbrach. Das ist ein mittelmäßiger Wert und sollte für die allermeisten Verwendungsszenarien ausreichen.

Unser Fazit

Die Musicbox XS von Canton ist kein schlechter Lautsprecher. Im Gegenteil. Die Box hat allerlei moderne Funktionen zu bieten und überzeugt mit einem stylischen Design, langer Akkulaufzeit und intuitiver Benutzeroberfläche. Klanglich hätte ich allerdings  mehr erwartet. Die Klangsignatur ähnelt doch sehr der des SoundLink Mini, welcher bereits vor mehrere Jahren auf dem Markt erschien und immer noch einige klangliche Macken aufweist. Hier hätte ich mir einige neue technische Tricks und Verbesserungen gewünscht. Bereits ab halber Lautstärke beginnt der Klang ungenießbar zu werden und die Bässe übersteuern. Bei Deep-House Musik werden tiefe Töne teilweise gänzlich verschluckt. Hier hätte ich mir mehr gewünscht. Ich finde nicht, dass der Aufpreis von rund 50 Euro zum originalen SoundLink Mini von Bose gerechtfertigt ist und empfehle weiterhin den JBL Charge 2+ sowie den Denon Envaya Mini in der portablen Größenklasse.

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