Jabra Solemate Max: Kräftige Bässe im XXL-Format?

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Immer mehr Hersteller setzen auf große Bluetooth Lautsprecher. Zwar sind kleine, portable Boxen ideal für den Einsatz unterwegs, doch wer lauten und druckvollen Sound will, der kommt rein physikalisch um eine größere Box nicht herum. So präsentiert nun auch Jabra eine XXL-Variante seines Turnschuh-artigen Lautsprechers: die Solemate Max. Vor einigen Tagen hatten ich die kleine Version Solemate Mini im Test – nun ist Jumbo-Variante dran. Ob der Klang mit der Größe der Box gewachsen ist? Der Test verrät’s.

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Ersteindruck

Die Jabra Solemate Max gehört zweifellos zu den größten Bluetooth-Lautsprechern – mit einer Länge von 30 Zentimetern und einem Gewicht von 3 Kg kann von Portabilität keine Rede sein. Mal schnell mitnehmen? Fehlanzeige! Zwar ist die Bluetooth-fähige Box mit einem Tragegriff für den Transport versehen, doch einmal ehrlich – für den mobilen Einsatz drückt sie einfach zu viele Kilos auf die Waage. Da nützt auch das staub- und spritzwassergeschützte Gehäuse wenig. Zum Vergleich: Der Bose SoundLink III sowie der Denon Envaya fassen gerade mal ein Drittel des Gehäusevolumens.

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Die Verarbeitung ist wie bei den anderen Solemate-Modellen hochwertig. Hierfür sorgen der weiche Kunststoff an der Oberseite sowie das silberne Metallgitter, an der „Sohle“ kommt Gummi zum Einsatz. Das Äußere ist durchaus ansprechend, so hat die Box im Jahr 2014 den “Reddot Award” für ihr “robustes Design in jeder Situation” erhalten. Generell sollte sich der Lautsprecher ähnlich der alten iPod-Dockingstationen problemlos in die Wohnlandschaft einfügen.

Im Lieferumfang sind neben dem Lautsprecher noch ein USB-Ladekabel, ein Netzladekabel inklusive Adapter sowie eine Kurzanleitung (online kann man diese hier einsehen) enthalten. An der geriffelten Unterseite bzw. Sohle der Solemate Max befindet sich ein 3,5-mm-Audiokabel.

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Klangqualität

Das wohl größte Fragezeichen bei der Solemate Max ist der Klang. Bei solch gewaltigen Ausmaßen erwartet man einen deutlich kräftigeren, räumlicheren Klang als bei kleinen Lautsprechern wie dem SoundLink Mini oder JBL Charge 2. Auch die Lautstärke sollte für die Beschallung kleiner Parties reichen. Wird der Klangriese also seiner Größe gerecht?

Beim ersten Probehören kommt Enttäuschung auf. Der Klang ist zwar schön ausgewogen, räumlich und es sind keine groben Fehler zu hören – doch der Bass lässt zu wünschen übrig. Für einen Lautsprecher in dieser Größe erwartet man einfach mehr.

Die Bässe sind zwar vorhanden, sind aber bei normaler Lautstärke lange nicht so kräftig wie die des vergleichbaren Bose SoundLink III oder der Marshall Stanmore. Selbst deutlich kleinere Lautsprecher wie der JBL Charge 2 oder SoundLink Mini produzieren bei leiser bis mittlerer Lautstärke kräftigere Bässe. Vor allem aber: Die Bässe spielen nicht besonders tief und werden bereits bei ca. 85 Hz sehr leise. So macht das Hören von Hip-Hop oder House Musik keinen Spaß.

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Zugegeben, die Solemate Max spielt viel lauter als manch anderer Lautsprecher und bietet bei hohen Lautstärken noch druckvolle Bässe. Doch man wird die Box schließlich nicht jeden Tag bis an ihr Limit aufdrehen – das ist wohl eher gelegentlichen Parties vorenthalten. Ab und zu wird man sich nach ruhiger Hintergrundmusik sehnen. So hätte ich mir gewünscht, dass Jabra mit ein wenig dynamischer Anpassung nachhilft und die Bässe bei leisen Lautstärken anhebt um dem menschlichen Ohr bei niedrigen Lautstärken ein wenig entgegen zu wirken.

Die Maximallautstärke ist enorm und bewegt sich auf ähnlichem Niveau wie die des Bose SoundLink III. Der Denon Envaya oder die Big Jambox kann hier nicht mithalten. Aber: Ab ca. 80% der Lautstärke ist der Klang kaum noch genießbar. Es sind Verzerrungen hörbar und die Musik verkommt zum Mischmasch.

Ein weiteres Manko: Genau wie bei der kleinen Solemate Mini ist ein deutliches Grundrauschen zu vernehmen. Bei leiser Hintergrundmusik oder dem Lauschen von Hörbüchern ist dies nicht zu überhören. Auch wenn man das Smartphone einige Meter von der Box wegbewegt, bleibt das Knistern bestehen. Das sollte bei einem Lautsprecher in dieser Preisklasse (ursprünglich über 330€) nicht sein.

Positiv ist, dass ein gewisser Stereo-Klang vorhanden ist. Die Solemate Max erzeugt zwar keine so klare Stereo-Bühne wie der Denon Envaya Mini, doch über die App „Jabra-Sound“ lässt sich laut Hersteller eine Art „Dolby-HD-Soundspektrum“ erzeugen. Theoretisch. In der Praxis traten bei der Einstellung „Dolby Processing“ die Bässe deutlich in den Hintergrund und die Musik klingt unnatürlich, also ströme sie aus einem alten Küchenradio. Was sich Jabra hier gedacht hat, weiß ich nicht.

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Auch beim Equalizer läuft nicht alles rund. Erhöht man eine spezielle Frequenz, wird alles andere herabgesetzt. Will ich also den Bass erhöhen, wird alles andere heruntergesetzt.

Bedienung

Die Bedienung ist ein wenig umfangreicher als bei der ursprünglichen Solemate. Zurecht, schließlich gibt es viel mehr Platz für Bedienelemente. Über das Steuerkreuz an der Oberseite lässt sich die Lautstärke einstellen, zu Musiktiteln springen oder ein Lied pausieren bzw. fortsetzen. Das gelang im Test reibungslos.

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Drückt man die „Sprechblasentaste“, so sagt eine männliche Stimme den aktuellen Akkustand an. Wen die Sprachansagen nerven, der kann diese folgendermaßen deaktivieren: Beim Einschalten für mehrere Sekunden die „–“ Taste gedrückt halten bis der Befehl „Voice Prompts Off“ ertönt. Danach sind alle Signaltöne lobenswert leise. Auch die LED-Lichter blinken nicht nervig, sondern leuchten nur beim Bedienen auf.

Auch positiv: Über die Sprechblasentaste lassen sich Anrufe entgegen nehmen. Die Sprachqualität der Freisprechfunktion war im Test hervorragend.

Was ich schon bei der kleinen Mini-Solemate bemängelte war der kniffelige Anschaltknopf. Der ist so tief ins Gehäuse eingelassen, dass stabile Fingernägel für die Bedienung nötig sind. Das hätte man deutlich besser lösen können. Ich denke etwa an einen weichgummierten Anschaltknopf mit angenehmen Druckpunkt wie beim SoundLink Mini.

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Sehr nützlich: Genau wie beim JBL Charge 2 oder dem Denon Envaya bietet auch die Solemate Max einen USB-Anschluss für das Aufladen externer Geräte wie Smartphones oder Tablet PCs. Da man die Solemate Max allerdings eher selten in der Gegend herumtragen wird, verkommt die Funktion zum netten Gimmick.

Pairing

Beim Pairing macht die Solemate Max fast alles richtig: Nach dem Einschalten steht die Verbindung binnen weniger Sekunden. Beim erneuten Einschalten des Lautsprechers verbindet sie sich automatisch mit dem letzten Zuspieler – im Test ein iPhone 5s.

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Pluspunkte sammelt die schwere Box für die Fähigkeit, zwei Zuspieler gleichzeitig zu verbinden. So habe ich den Lautsprecher im Test mit einem Macbook Pro sowie einem iPhone gekoppelt. Wurde die Musik auf dem einen Zuspieler pausiert, konnte der andere die Wiedergabe übernehmen. Sehr gut!

Auch eine NFC-Funktion ist mit an Bord (die mittelgroße Solemate bietet in der neuesten Version ebenfalls eine NFC-Verbindung). So kann man auch ohne Bluetooth durch das Halten in Nähe des „NFC“ Symbols eine Verbindung herstellen.

Wer aus der Solemate Max gerne eine Stereo-Anlage bauen möchte, wird enttäuscht. Stereo-Pairing gibt es nicht. Das wird meiner Einschätzung nach von den wenigsten Nutzer gefragt sein und ist damit vernachlässigbar.

Reichweite/Akkulaufzeit

In freier Wildbahn liegt die Bluetooth-Reichweite bei erstaunlichen 35 Metern. Erst dann bricht die Verbindung ab. Das können auch der SoundLink III von Bose oder der Denon Envaya nicht viel besser. In Gebäuden bleibt die Kopplung maximal durch eine dickere Steinwand bestehen.

Die Akkulaufzeit beziffert Jabra mit 14 Stunden. Der Wert ist nicht ganz realistisch. Bei ca. 1/3 Lautstärke lief die Box im Nebenzimmer rund 11,5 Stunden. Das ist kein Spitzenwert, damit sollte man allerdings auch längere Veranstaltungen beschallen können. Bei voller Lautstärke hält der Akku ca. 4 Stunden.

Fazit

Insgesamt hat die Solemate Max im Test enttäuscht. Zwar ist sie mittlerweile zum einem attraktiven Preis von ca. 150€ erhältlich, die Klangqualität lässt allerdings einige Wünsche offen. So sind die Bässe nicht so druckvoll wie erwartet und reichen nicht annähernd so tief wie bei der vergleichbaren Konkurrenz. Der Klang ist zwar in keinster Weise schlecht, doch bei einem hohen Gewicht von rund 3 Kg will man klanglich – und vor allem basstechnisch – keine Abstriche machen, auch wenn die Bedienoberfläche, Pairing und Reichweite lobenswert sind. Für denselben Preis erhält man einen kleinen, portablen Lautsprecher wie den SoundLink Mini oder JBL Charge 2, die zwar keine so hohe Maximallautstärke bieten, dafür aber bei leisen bis mittleren Lautstärke genauso bassreich spielen. Wer bereit ist hundert Euro mehr zu bezahlen, sollte zum Bose SoundLink III greifen. Wer auf Portabilität viel Wert legt, sollte sich den Denon Envaya Mini genauer ansehen.

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4.2 von 5 Sternen(421 Rezensionen)

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There are 3 comments

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  1. Beat Halberschmidt

    Was den Klang des Solemate Max betrifft, kann ich nicht ganz zustimmen, denn, richtig aufgestellt, ist die Bass-Performance enorm. Der Jabra braucht unbedingt eine Rückwand oder sogar eine Raumecke und dann produziert er tiefe und druckvolle Bässe, die auch für seine Größe überraschend sind.
    Ich hatte das zum Glück zufällig in einer Rezension gelesen, denn ich gebe dem Autor recht, dass der Klang bei einer freien Aufstellung eher enttäuscht. Das macht die Konkurrenz besser.
    Nur nutzt der Jabra die Raumakustik wirklich sehr zu seinen Gunsten, weit mehr als andere Geräte. Dieser Umstand erklärt aus meiner Sicht, warum diese gegensätzlichen Standpunkte zum Klang des Solemate Max zu finden sind.

  2. tralala

    Blödsinn, Bass-Performance “enorm”, das Teil ist für die Tonne, wie alle Jabra Produkte. Überteuerte lustig designte Schachteln, sonst nix.
    Normalerweise stellt man hochwertige Lautsprecher von einer Wand weg um ungünstige Resonanzen zu unterbinden, beim Jabra muss ich genau das Gegenteil machen?
    Also wirklich… wer diesen Klang verteidigt, verteidigt wohl bloß sein schlechtes Gewissen, überhaupt Geld dafür ausgegeben zu haben.

    • Beat Halberschmidt

      Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel und ich kann nur empfehlen den Ohren mehr zu vertrauen als einem theoretischen Diskurs.
      Einfach ausprobieren.
      Dem überteuert stimme ich hinsichtlich des Einführungspreises vollkommen zu, bei den derzeitigen Marktpreisen von 100-150€ passt das allerdings absolut mit dem Gebotenen.
      Meine Referenz ist auch keine andere BT Kiste, sondern sind Geithain, Dynaudio und system audio LS, auch in Kombination mit aktiven Subwoofern.


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