JBL Charge 4 im ausführlichen Praxistest: Besser als der Vorgänger?

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JBL Charge 4

Der JBL Charge war bereits seit seiner Einführung im Jahr 2013 einer der populärsten Bluetooth-Lautsprecher. Die effektvoll vibrierenden Passivmembranen an der Seite, die kraftvollen Bässe und die integrierte Ladefunktion machten den Lautsprecher zu einem der meistverkauften Modelle am Markt.

Insbesondere die dritte Generation setzte klanglich neue Maßstäbe. Kaum ein anderer Lautsprecher spielte derartig wuchtige Bässe bis in die hohen Lautstärke-Level wie der JBL Charge 3. Die Höhen waren teilweise ein wenig unklar, doch insgesamt wirkte das Klangbild ausgeglichen und natürlich.

Mittlerweile haben andere Hersteller aufgeholt. So konnte mich im Test der kleine Denon Envaya, Bose SoundLink Revolve oder auch der Sony XB-30 klanglich noch mehr überzeugen. Höchste Zeit für JBL also, seinem Lautsprecher ein Update zu verpassen.

Ich war gespannt zu erfahren, ob JBL in den letzten zweieinhalb Jahren wirklich ernsthafte Verbesserungen am Klang vorgenommen hat – oder ob es sich nur um oberflächliche Produktpflege handelt. Die Beschreibungen auf der Webseite ließen keine wirklichen Rückschlüsse zu: Das Gehäuse ist zwar um einige Zentimeter angewachsen, auf der anderen Seite verbaut JBL statt den zwei Stereo-Tönern nur noch einen einzigen Mono-Hochtöner.

So habe ich mir den Lautsprecher nach Hause bestellt, um ihn einem ausführlichen Vergleich mit der preislichen Konkurrenz zu unterziehen.

Ersteindruck/Design

Der neue Charge 4 hebt sich nur geringfügig vom Vorgänger ab. Das JBL-Logo auf den ikonischen Passivmembranen, welche effektvoll an der Seite schwingen, wurde mit einer Art 3D-Effekt versehen. Auch an der Oberseite gibt es eine kleine Neuerung:  Die Einschalt- und Bluetooth-Taste wurde mit einer weißen Linie umrandet, um das Gehäuse wohl noch stylischer wirken zu lassen. Insgesamt ist das Gehäuse um rund einen Zentimeter in Durchmesser und Länge angewachsen. Das Gewicht steigt von 800 auf 960 Gramm an.

JBL Charge 4 Test ReviewDas Gehäuse ist wie bereits beim Charge 3 mit einem feinmaschigen Stoffgewebe überzogen. Dadurch soll das Gehäuse vor Kratzern und Stößen geschützt werden, während Klang weiterhin nach außen strömen kann. In der Praxis ist das Performance-Gewebe jedoch ein wenig schmutzanfällig: Staub- und Schmutzpartikel lassen sich nur schwer aus den feinen Maschen entfernen – selbst bei Reinigung unter fließendem Wasser. 

Als etwas heikel empfinde ich die frei liegenden Passivradatioren an der Seite. Die beiden darauf angebrachten Metallkappen bieten zwar einen gewissen Schutz gegen das Eindringen von spitzen Gegenständen, jedoch sind die gummierten Dichtungen einem gewissen Restrisiko ausgesetzt. Das Durchpieksen der Gummierung hätte ein Verlust des inneren Vakuums zur Folge – die darauf abgestimmten Treiber wären nicht mehr funktionsfähig. Ich persönlich hätte hier ein dünnes Schutzgitter bevorzugt, wodurch jedoch der ansprechende visuelle Effekt der vibrierenden Membranen verloren ginge. Die Lösung ist wohl, beim Transport einfach eine geeignete Transporttasche zu verwenden. 

JBL Charge 4 MembraneLaut Hersteller ist der Charge 4 nach Schutzklasse IPX7 wassergeschützt. Laut offizieller Definition bedeutet dies, dass der Lautsprecher zeitweiligem Untertauchen ausgesetzt werden kann. Nämlich 1 Meter tief für bis zu 30 Minuten. Dauerhaften Kontakt mit Wasser verträgt ein Elektronikgerät allerdings erst mit Schutzklasse 8, nämlich dem „Schutz gegen permanentes Untertauchen.“ Ein kurzer Fall ins Wasser würde dem Charge 4 daher wohl recht wenig ausmachen. Für längere Zeit im Wasser liegen lassen sollte man den Speaker aber nicht.  Im Test spielte der Lautsprecher auch nach einer Minute im Wasser-gefüllten Glasbehälter noch unbeschädigt weiter.

Als etwas wackelig empfinde ich den Standfuß des Charge 4. Im Vergleich zur alten Charge 2 wurde die Breite zwar vergrößert, doch auf unebenen Untergründen wie im Gras, auf dem Bett oder Sofa tendiert der Lautsprecher dazu, zur Seite zu rollen. Da haben andere Modelle wie der SoundCore Motion+ oder Bose SoundLink Revolve einen deutlich stabileren Stand.

JBL Charge 4 StandfußÄrgerlich ist, dass JBL nur ein Mikro-USB Kabel in den Lieferumfang legt. So muss ich die Box umständlich über eine USB-Buchse am Laptop aufladen und eine deutlich längere Ladezeit in Kauf nehmen. Das hätte man für den Preis von rund 150€ problemlos noch ins Paket mit legen können.

Klangqualität

Am allermeisten war ich natürlich auf die Klangqualität gespannt. Das etwas vergrößerte Gehäuse ließ auf eine verbesserte Klangqualität schließen, während der Mono-Hochtöner eher auf Abstriche bei der Klangqualität hinwies. So musste ich mir selbst ein Bild machen und verband den Lautsprecher mit meinem Smartphone.

Und tatsächlich: Beim ersten Probehören sind klare Unterschiede hörbar. Der Klang hat zwar immer noch eine leicht dumpfe Note, doch der Lautsprecher spielt etwas klarer und präziser als der Vorgänger. Warum JBL nur noch einen Hochtöner anstatt Zweien verbaut, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Vielleicht wollte der Hersteller Produktionskosten sparen? Vielleicht ist ein guter Hochtöner besser als zwei mittelmäßige? Es wäre auch nicht verkehrt gewesen, zwei weitere Hochtöner an den Seiten oder sogar an der Hinterseite für echten Rundum-Klang zu platzieren – so wie es etwa beim Harman-Karton Onyx Studio umgesetzt wurde. Schließlich stammt der JBL Lautsprecher aus derselben Firmengruppe.

JBL Charge 4 InsideBei den Bässen weist der Charge 4 deutliche Verbesserungen auf. Die Bässe sind kräftiger und reichen tiefer hinab. Bei höheren Lautstärken verzerren sie nicht so leicht wie beim Vorgänger. Bei geringen Lautstärken sind die Bässe jedoch ein wenig unterrepräsentiert – hier hätte man die Bässe durchaus ein wenig anheben können. Konkurrenzmodelle wie der SoundLink Revolve, Denon Envaya oder Sony SB-30 haben hier klar die Nase vorn.

JBL Charge 4 vs SoundLink Revolve vs UE Boom 3 vs Flip 5 JBL Charge 4 vs Bose SoundLink Revolve+Die maximale Lautstärke ist geringer als beim Charge 3, was verwunderlich ist und möglicherweise dem Mono-Driver zu verschulden ist.

Insgesamt finde ich die klanglichen Veränderungen nicht überragend, wenn man bedenkt, dass JBL hierfür fast 2,5 Jahre Zeit hatte. Andere Modelle, die bereits nach Release der dritten Charge  Generation erschienen sind, bieten hier bereits deutlich erwachseneren Klang.

Pairing

Das anfängliche Koppeln von Lautsprecher und Smartphone gelang im Test mühelos: Lautsprecher einschalten, Bluetooth am iPhone aktivieren und den Lautsprecher auswählen. Voilà. Schon steht die Verbindung. Mit einem dezenten Piepston wird das erfolgreiche Koppeln bestätigt. 

JBL Charge 4 PairingZukünftig verbindet sich der Lautsprecher dann automatisch mit dem zuletzt verwendeten Musikzuspieler – vorausgesetzt, der Bluetooth-Modus ist am jeweiligen Endgerät bereits aktiviert. Das ist praktisch und spart Zeit. Wieviele Quellgeräte gespeichert werden können, gibt JBL nicht an. Was ich mir noch gewünscht hätte wäre das automatische Verbinden von mehreren Musikzuspielern direkt nach dem Einschalten des Charge 4. Bose hat dies bereits seit längerer Zeit bei seinen SoundLink Modellen umgesetzt.

Wie bereits beim Vorgänger hat JBL auch bei der vierten Generation eine Multipairing Funktion integriert. Damit können mehrere Zuspieler wie z.B. Smartphone, Tablet oder Laptop gleichzeitig mit dem Bluetooth-Lautsprecher verbunden werden. Möchte man also von einem Zuspieler zum anderen wechseln, so pausiert man einfach die Musik – und schon kann der andere Zuspieler übernehmen. Ich selbst switche oft zwischen Macbook und iPhone hin und her und finde das Feature äußerst praktisch. Aber auch bei der kleinen Feier mit Freunden in den heimischen vier Wänden, können so verschiedene Leute DJ spielen und ihr Lieblings-Playlist zum Besten geben ohne umständlich die Verbindung Entkoppeln zu müssen.

Besonders erfreulich finde ich die Stereo-Pairing Funktion. Mithilfe der kostenlos verfügbaren „JBL Connect“ App lassen sich mehrere JBL Lautsprecher zu einer Stereo-Einheit zusammen schließen. Und der Effekt ist durchaus  beeindruckend: Es entsteht eine echte Stereo-Bühne, die Musik noch räumlicher werden lässt. Besonders beim Filme- und Netflix Streamen war ich von der Räumlichkeit des Stereo-Klangs angetan. Empfehlung: Wer über das nötige Kleingeld verfügt, der sollte ernsthaft in Erwägung ziehen, zwei SoundLink Lautsprecher zu erwerben.

NFC, AptX oder ähnliche fortschrittliche Technologien kommen nicht zum Einsatz. Ob diese in der Praxis wirklich einen Vorteile bieten, sei dahin gestellt.  

Bedienung

Bei den Signaltönen beschränkt sich JBL auf das Wesentliche: Nach dem Einschalten ertönt ein Gitarrenton mit einem kurze Nachhall. Bei erfolgreicher Bluetooth-Kopplung dann ein kurzer Gitarren-Dreiklang. Das war’s auch schon. Auf nervige Trommelgeräusche oder derartige Spielereien verzichtete JBL. Ein wenig leiser hätten die Signaltöne für meinen Geschmack noch ausfallen können – alternativ können die Töne über die frei verfügbare JBL-Connect App deaktiviert werden. Auf einen Sprachassistenten oder eine Freisprechfunktion wie beim Charge 3 verzichtet JBL.

Auch die Bedienoberfläche fällt schlicht aus: An der Oberseite befindet sich neben den Standard-Tasten (Ein/Ausschalt-Taste, Bluetooth-Taste, Leiser/Lauter-Taste) noch zwei weitere Tasten: Die Dreiecks-Taste ermöglicht durch einmaliges Drücken das Pausieren und Fortsetzen von Musik.  Mit zweimaligem Drücken springt man zum nächsten Lied. Zum vorherigen Lied kann man nicht springen. Schade. Das hatte man leicht mit dreimaligen Drücken ermöglichen können. Die Sanduhr-Taste wird für das Verbinden mehrerer JBL Bluetooth-Lautsprecher zu einer Stereo- bzw. Surround-Einheit mithilfe der „JBL Connect“ App benötigt.

JBL Charge 4 ButtonsDie Akkulaufzeit lässt sich an den fünf weißen LED-Leuchten an der Gehäuse-Unterseite in 20%-Schritten ablesen. Neigt sich der Akkustand dem Ende, so beginnt die linke Leute rot zu blinken. Ganz ideal positioniert ist die Leiste nicht – bei unebenen Untergründen wie im Park oder auf dem Bett werden die Lichter teilweise komplett verdeckt.

JBL Charge 4 BatteryAn der Rückseite verbirgt sich hinter der Gummikappe die berüchtigte USB-Ladebuchse, welcher der Charge 4 seinen Namen verdankt. Mithilfe eines USB-Kabels können Geräte wie z.B. Smartphone oder Tablet ähnlich einer Powerbank aufgeladen werden. Darüber hinaus ist ein Audio-Eingang verbaut, welcher zum direkten Verbinden mit Musikzuspielern dient, ohne dass eine Bluetooth-Verbindung hergestellt werden muss. Über den Mikro-USB Anschluss kann der Lautsprecher aufgeladen werden.

JBL Charge 4 AnschlüsseWie bei allen aktuellen JBL Bluetooth-Lautsprechern schaltet sich der Lautsprecher nach einigen Minuten Nichtverwendung automatisch ab. Deaktivieren kann man dies leider nicht.

Akkulaufzeit/Reichweite

Die Akkulaufzeit beziffert JBL wie beim Vorgänger Modell auf 20 Stunden. Beim Blick auf die Produktdaten fällt auf, dass sich die Akkuleistung von 6000 mAh auf 7500 mAh erhöht wurde – was sich wohl positiv auf das Aufladen von externen Geräten über die Ladebuchse auswirken sollte. Bei Abspielen von Musik konnte ich jedoch kaum Unterschiede zum Vorgänger feststellen: Bei ca. 1/3 der maximalen Lautstärke ging dem Speaker nach 16 Stunden die Puste aus. Bei maximaler Lautstärke waren es dann noch 5 Stunden. Das ist zwar keine große Verbesserung zum Vorgänger, jedoch im Vergleich zur preislichen Konkurrenz immer noch ein Spitzenwert. Dank der langen Akkulaufzeit sollte auch unterwegs immer noch genug Power vorhanden sein, um dem Smartphone oder Tablet eine kleine Auffrischung zu verpassen. Die Akkuladedauer über ein Mikro-USB-Kabel gibt JBL mit 4 Stunden an. 

Die Bluetooth-Verbindung bewies sich im Test auch als äußerst stabil. Selbst wenn Personen durch die Verbindung liefen, gab es keinerlei Ruckler und Verzögerungen im Klang. Auch durch zwei dicke Steinwände spielte der Speaker ohne Unterbrechung hindurch – bei der dritten Wand war dann das Stocken der Musik zu vernehmen. Auf freier Strecke im Außenbereich konnte ich eine Bluetooth-Reichweite von rund 30 Metern feststellen. Das ist ebenfalls ein solider Wert.