Anker SoundCore Flare im Praxistest: Party-Lautsprecher mit Rundum-Klang?

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Der amerikanische Audio-Hersteller JBL führte mit dem „JBL Pulse“ bereits im Jahr 2013 seinen ersten, blinkenden Party-Lautsprecher ein. Mittlerweile haben auch andere Hersteller den Trend erkannt und eigene Modelle entwickelt. So hatte ich erst kürzlich den Sony XB-32 oder etwa auch die Doss Soundbox getestet.

Nun hat auch der chinesische Konzern Anker nachgezogen und sein überwiegend schwarzes Produktportfolio mobiler Lautsprecher um eine leuchtende Party-Box mit dem Namen „Anker SoundCore Flare“ ergänzt. Die Box soll nicht nur „starke, intensive Bässe“ liefern, sondern auch mit wahrhaftigem 360°-Grad Klang punkten. Darüber hinaus ist von einem wasserdichtem Gehäuse nach Schutzstandard IPX7 sowie langen 12 Stunden Akkulaufzeit die Rede.

Ich wollte natürlich wissen, ob es sich um übertriebene Marketing-Slogans handelt oder ob Anker mit dem neuen Lautsprecher tatsächlich Modellen wie dem beliebten Bose SoundLink Revolve oder auch dem JBL Flip 5 Konkurrenz macht. So habe ich mir den Speaker an die Haustüre liefern lassen und einem ausführlichen Test unterzogen.

Design/Ersteindruck

Insgesamt erinnert das zylindrische Gehäuse des Anker SoundCore Flare sehr an die Formgebung des populären Bose SoundLink Revolve. 

Mit einer Höhe von gerade einmal 18,2cm und einem Gewicht von nur 790 Gramm ist der SoundCore Flare auf maximale Portabilität ausgelegt und findet problemlos in einer größeren Jackentasche Platz. Damit ist der Speaker gerade noch kompakt genug, um ihn ohne große Besorgnis in den Rucksack oder auch die Sporttasche zu schmeißen.

Beim Oberflächenmaterial des Gehäuses lehnt sich Anker stark an der Konkurrenz (JBL, Ultimate Ears) an: Der netzartige Performance-Stoffüberzug schützt den Speaker beim hartgesottenen Outdoor-Einsatz effektiv vor Kratzern und Stößen. Eine überhöhte Ansammlung von Schmutz oder Staub in den feinen Stoffmaschen konnte ich im Test nicht feststellen.

Sollte der Speaker einmal schmutzig werden, kann man ihn unter fließendem Wasser reinigen. Laut Hersteller ist der SoundCore Flare nach Standard IPX7 wassergeschützt. Konkret bedeutet das, dass der Speaker das zeitweilige Untertauchen für bis zu 30 Minuten bei einer maximalen Wassertiefe von 1m übersteht (Dabei schwimmt er an der Wasseroberfläche). Im Test hielt ich den Speaker für einige Minuten unter die Dusche, ohne dass es zu Schäden an der inneren Elektronik kam. Auch lobenswert: Die Anschlüsse an der Rückseite sind zusätzlich mit einer Gummikappe gegen Eindringen von Schmutz geschützt.

Der Boden des säulenartigen Lautsprechers enthält mehrere LEDs, die beim Abspielen von Musik eine effektvolle Lichtershow liefern. An die beeindruckende „Lava-Lampen“ Lichtershow eines JBL Pulse 4 Lautsprechers kommt der SoundCore Flare allerdings nicht annähernd heran. Hierzu fehlt es einfach an Größe. 

Ein wenig ärgerlich ist, dass Anker nur ein Mikro-USB Kabel in den Lieferumfang legt. Nicht jeder Käufer hat zuhause einen freien Netzstecker auf Vorrat und muss so womöglich das umständliche Aufladen per USB-Buchse in Kauf nehmen. Für den Preis von rund 60€ hätte man durchaus noch einen Netzadapter mit ins Paket legen können.

Erhältlich ist der Speaker in den Farben dunkelblau und schwarz.

Klangqualität

Am meisten gespannt war ich auf die klanglichen Qualitäten des neuen Lautsprechers gespannt. Auf der Webseite wurde mit „starken, intensiven Bässen“ und raumfüllendem Klang geworden. Auch der 360°-Klang soll für „raumfüllenden Sound“ sorgen. „Ganz schön viele Versprechungen für den kleinen Preis von 60€“ dachte ich mir. So habe ich die kleine Box einmal einem ausführlichen Klangtest unterzogen.

Und bereits nach dem ersten Probehören wird klar: Der Anker SoundCore Flare klingt eher durchschnittlich und setzt keine neuen klanglichen Maßstäbe. Der Rundum-Klang kann zwar durchaus überzeugen — es sind bei verändertem Hörwinkel kaum Klangtrübungen festzustellen. Doch insgesamt fehlt dem Lautsprecher das nötige, kräftige Bassfundament und klaren Höhen.

Im direkten Vergleich mit ähnlich großen Lautsprechern wie z.B. dem Bose SoundLink Revolve, Marshall Stockwell 2 oder auch Anker SoundCore Motion+ werden die Unterschiede deutlich. Die Bässe reichen nicht tief genug hinab um House oder Hip-Hop Musik überzeugend abzuspielen. Auch nicht mit aktivierter „Bass-Taste“.  Insbesondere die Höhen klingen im direkten Vergleich fast ein wenig so, als wären sie im Gehäuse „gefangen“. Es wirkt, als lasse die Stoffummantelung den Klang dumpfer ertönen.

Doch eine Chance wollte ich der Bluetooth-Box noch geben: beim kürzlichen Testen des Schwestermodells Anker SoundCore Motion+ konnte ich den Klang durch Anpassen der Equalizer-Einstellungen in der zugehörigen „SoundCore“ App auf ein völlig neues Level heben. Doch beim SoundCore Flare macht sich schnell Ernüchterung breit: Die Frequenzbänder lassen sich einfach nicht so justieren, um dem Klang eine deutliche Verbesserung abzugewinnen. Schade.

Laut spielen kann der SoundCore Flare, doch bereits auf 70% der maximalen Lautstärke ist Musik kaum noch genießbar und verkommt zum klanglichen Mischmasch. Kein Vergleich zum nur wenig teureren Anker SoundCore Motion+, der auch bei voller Lautstärke die Lieblingsmusik noch noch detailgetreu abspielt.

Insgesamt hatte ich mir vom Klang ein wenig mehr erwartet. Zwar befindet sich der Klang für den geforderten Preis von 60€ auf einem akzeptablem Niveau, doch für nur wenig mehr Geld erhält man bereits deutlich bessere Modelle wie den SoundCore Motion+ oder auch dem JBL Flip 5.

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Pairing

Das erstmalige Pairing ging im Test problemlos vonstatten: Lautsprecher einschalten, „SoundCore Flare“ im Bluetooth-Menü des Smartphone auswählen und voilà – schon steht die Verbindung. Mit einem kurzen Piepton wird das erfolgreiche Koppeln bestätigt. Praktisch finde ich, dass sich der Lautsprecher beim zukünftigen Einschalten automatisch mit dem zuletzt verwendeten Smartphone bzw. Zuspieler verbindet. Wieviele Zuspieler der Lautsprecher gleichzeitig speichern kann, ist dem Datenblatt des Herstellers nicht zu entnehmen.

Eine Multi-Pairing Funktion integriert Anker leider nicht. Will man zwischen verschiedenen Endgeräten wie Smartphone, Laptop oder Tablet schnell hin- und her wechseln, muss zuvor erst umständlich die Verbindung gekappt und mit dem neuen Zuspieler wieder gekoppelt werden. Andere Hersteller wie Bose oder JBL haben das deutlich intuitiver gelöst. Das einfache Pausieren der Musik reicht aus, und schon kann ein zweiter Zuspieler die Musikwiedergabe fortsetzen. Ideal, wenn in gemütlicher Runde mit Freunden jeder einmal DJ spielen möchte.

Immerhin hat Anker eine Stereo-Funktion im Lautsprecher verbaut. Über die kostenlos verfügbare „SoundCore“ App lassen sich hiermit bis zu zwei Flare-Lautsprecher zu einer Stereo-Einheit zusammen schließen. Dabei werden die Licht-Effekte der beiden Lautsprecher synchronisiert. Austesten konnte ich dies im Test leider nicht, da mir nur ein SoundCore Flare zur Verfügung stand. Schade finde ich, dass sich keine verschiedenen SoundCore Lautsprecher (MotionQ oder Motion+) mit dem Flare verbinden lassen.

NFC, APTx oder andere fortschrittliche Technologien findet man im Anker SoundCore Flare nicht.

Bedienung

Insgesamt fällt die Bedienoberfläche des Anker SoundCore Flare schlicht und intuitiv aus.

Die Ein- und Ausschalttaste sowie Bluetooth-Taste bringt Anker an der Rückseite des Lautsprechers an. Hier hätte ich die Positionierung der beiden Tasten an der Gehäuseoberseite bevorzugt, um beim Umgreifen des Speakers mit der Hand ein versehentliches Drücken der Tasten zu vermeiden. Immerhin: die beiden Tasten sind etwas tiefer ins Gehäuse eingelassen und lassen sich nur durch mehrsekündiges Gedrückthalten aktivieren.

Die Oberseite wird mit fünf Tasten geschmückt, die dank der gummierten Oberfläche vor dem Eindringen von Flüssigkeiten und Schmutz geschützt sind. Ein wenig negativ stößt auf, dass nur zwei der Tasten beleuchtet sind und alle weiteren Tasten aufgrund der geringen farblichen Abhebung nur schwer auszumachen sind. Das haben andere Hersteller wie Bose deutlich besser gelöst.

Gut hingegen gefällt mir die Möglichkeit zur Musiksteuerung. Durch kurzes Drücken der „Play-Taste“ kann Musik pausiert bzw. fortgesetzt werden. Durch kurzes zweimaliges Drücken springt man zum nächsten Track, mit dreimaligem Drücken zum vorherigen Song. Das ist praktisch, so muss ich nicht zwingend das Smartphone aus der Hosentasche nehmen, um meine Lieblings-Playlist zu navigieren. Im Test ging dies problemlos vonstatten, selbst beim Streamen von Youtube Videos.

Mit der „Sonnen-Taste“ können die Lichteffekte ein- und ausgeschaltet werden. Mithilfe der SoundCoreApp kann die LED-Beleuchtung verschiedene Farbschemata wie z.B. „Frühling“ oder „Schlafenszeit“ abspielen, wo wiederum Lichtstärke und Lichttakt angepasst werden können.

Einen Sprachassisenten für eine vereinfachte Benutzerführung integriert Anker nicht im Lautsprecher. Dafür sind beim Ein- und Ausschalten sowie erfolgreicher hergestellter Bluetooth-Verbindung Piepsten zu hören, die noch etwas schlichter hätten ausfallen können.

Zu bemängeln ist die fehlende Akkustand-Anzeige. So muss ich umständlich die „SoundCore“ App am Smartphone auswählen, um den aktuellen Akkustand zu erfahren. Hierfür hätte man eine einfache LED-Leuchte anbringen können.

Über eine Freisprecheinrichtung zum Annehmen von Anrufen verfügt der SoundCore Flare zwar nicht. Jedoch lässt sich durch Gedrückthalten der „Play-Taste“ auf Siri, Google Assistant oder Alexa zugreifen. Wie nützlich diese Funktion im Alltag wirklich ist, muss jeder Nutzer für sich selbst entscheiden.

Geladen wird der Lautsprecher über die USB-Buchse an der Rückseite.

Akkulaufzeit/Reichweite

Die Bluetooth-Reichweite bewegt sich im Mittelfeld. Durch eine 20cm dicke Steinwand hindurch spielt der Lautsprecher ohne Probleme weiter. Bei zwei Steinwänden sind dann erste Unterbrechungen in der Musik zu hören, bis die Verbindung schließlich bei noch weiterem Entfernen komplett abbricht. Auf freier Strecke im Garten konnte ich eine Bluetooth-Reichweite von rund 35 Metern messen — kein schlechter Wert.

Die Akkulaufzeit betitelt Anker mit 12 Stunden. Von „250 Liedern ohne Unterbrechung“ ist auf der Webseite die Rede. Der Wert ergab sich im Test als durchaus realistisch: Erst nach 10:15 Stunden Spielzeit ging dem kleinen Speaker die Puste aus. Bei maximaler Lautstärke waren es dann noch gute 3:30 Stunden. Insgesamt kann Anker hier als bekannter Hersteller von Energy-Management Technologien und Powerbanks seine Stärken voll ausspielen. 

Fazit

Insgesamt handelt es sich beim Anker SoundCore Flare um einen passablen Bluetooth-Lautsprecher, der mit stilvollen Lichteffekten, einem robusten Äußeren und einer langen Akkulaufzeit punkten kann.

Doch in der wichtigsten Disziplin eines Bluetooth-Lautsprechers, der Klangqualität, kann der SoundCore Flare nicht so richtig überzeugen. Den Bässen fehlt hierzu die nötige Kraft und Tiefgang, um moderne Musik wirklich authentisch wiederzugeben. Den Höhen mangelt es an Brillanz, um Instrumente oder Stimmen den richtigen Ausdruck zu verleihen. Bei maximaler Lautstärke verkommt Musik dann komplett zum untrennbaren Mischmasch. Auch mit den Equalizer-Einstellungen in der zugehörigen SoundCore App lässt sich dies nicht nachbessern.

Auch bei der Bedienoberfläche gibt es Verbesserungspotential: Eine Anzeige für den aktuellen Akkustand fehlt gänzlich und die farbliche Abhebung bzw. Beleuchtung aller obigen Tasten ist derzeit nicht gewährleistet. Dazu kommt die fehlende Stereo-Pairing Funktion, die mittlerweile schon fast standardmäßig in zeitgemäßen Bluetooth-Boxen verbaut ist. 

Insgesamt ist der Anker SoundCore Flare nur denen zu empfehlen, die für den kleinen Geldbeutel einen blinkenden, outdoor-tauglichen Party-Lautsprecher suchen und keinen allzu großen Wert auf die Klangqualität legen. Allen anderen sei der nur etwas teurere Anker SoundCore Motion+ empfohlen, der mit den richtigen Equalizer-Einstellungen zu den Besten der Klasse gehört. Wer ein wenig mehr Geld ausgeben möchte, der sollte sich den Marshall Stockwell 2 genauer ansehen. Wer viel Wert auf kompakte Maße und ein stylisches Design legt, der sollte einen Blick auf den Bose SoundLink Revolve werfen.

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  1. ANDI

    Ich finde den Klang für den Preis ehrlich gesagt akzeptabel. Im direkten Vergleich mit anderen Lautsprechern der Größe konnte ich die Box allerdings nicht testn, ich habe mir das Teil direkt von Amazon bestellt.

  2. Soundcore flare

    Hallo, bin immer noch ein wenig unschlüssig, ob ich mir den Speaker zulegen soll. Hatte ihn kurz im Mediamarkt probe gehört. Klar, im Verglich zu den Bose Speakern ist der Klang nur mittelmäßig, allerdings finde ich ihn für den preis akzeptabel.. Mal sehen.


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