Dockin D Fine+ 2 im Test: Fortschritt oder Rücktritt?

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Docking D Fine 2

Das Berliner Audio-Unternehmen Dockin hat sich in den letzten Jahren einen Namen in der Branche der mobilen Lautsprecher gemacht. Besonders die beiden Modelle D-Fine und D-Mate erfreuten sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit. 

Erst kürzlich konnte ich den Dockin D Fine+ testen, der besonders bei hohen Lautstärken überzeugen konnte. Ein wenig kritisiert hatte ich den fehlenden Tiefenbass und die leicht dumpfen Höhen.

Nun hat Dockin die zweite Generation des Lautsprechers eingeführt, den Dockin D Fine+ 2. Dabei soll der Lautsprecher nun über drei verschiedene Soundmodi, einen praktischen Tragegurt und satte 16 Stunden Spielzeit mit einem austauschbaren Akku verfügen. Von „verbessertem Spitzenklang“ ist auf der Webseite die Rede.

Das wollte ich mir einmal genauer anschauen. Möglicherweise handelt es sich nur um oberflächliche Produktpflege. So habe ich mir die Box nach Hause liefern lassen, um sie einem ausführlichen Klangtest und Vergleich mit ähnlich großen Modellen wie dem JBL Xtreme 2 oder auch dem Bose SoundLink Revolve+ zu vergleichen. 

Design/Ersteindruck

Das Design des Dockin D Fine+ 2 hebt sich nur geringfügig vom Vorgänger ab. Mit dem schlichten, schwarzen Look hinterlässt der Speaker zwar keinen Premium-Eindruck wie Modelle von Bose oder Bang&Olufsen. Allerdings schafft er damit den schwierigen Spagat zwischen dem Einsatz in heimischer Wohnlandschaft und Outdoor-Umgebung. 

An der Oberseite des Gehäuses befinden sich nun zwei Ösen, an denen der mitgelieferte Tragegurt befestigt werden kann. Auch ist der Lautsprecher in der Länge um rund 2cm angewachsen und enthält eine Öffnung zum Wechseln des Akkus. Das war’s auch schon. Ansonsten bleibt das Design weitestgehend gleich.

Mit einem Gewicht von rund 2,25Kg weist der D Fine+ 2 die gleiche Portabilität auf wie der JBL Xtreme 2 oder auch der Teufel Rockster Cross. Damit lässt sich der Lautsprecher zwar noch mit in den Park nehmen oder auf der Terrasse aufstellen. Mal schnell in den Rucksack werfen wird man ihn allerdings nicht.

Wie der Vorgänger ist auch der D Fine+ 2 mit der Schutzklasse IPX-5 (Schutz gegen Strahlwasser) ausgestattet. Schöner gewesen wäre der Schutz nach IPX-7 gewesen (Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen für bis zu 30 Minuten und einer Tiefe von 1 Meter). Im Test spielte Musik auch nach mehreren Sekunden unter der Dusche weiter. In den Pool fallen lassen sollte man den Speaker demnach nicht.

Die beiden Gehäuseseiten sind mit einer gummiartigem Polymer überzogen, die die innere Elektronik wohl vor leichten Stößen und Kratzern schützen soll. Praktisch: Damit kann der Speaker alternativ auch vertikal aufgestellt werden. Allerdings entpuppte sich das Material im Test etwas als Staubfänger. Immerhin waren nach dem Auspacken keine chemischen Gerüche wie beim Vorgänger wahrzunehmen. Zwei Gummistreifen an der Unterseite garantieren einen festen Stand — egal auf welcher Oberfläche.

Erhältlich ist der Lautsprecher in der Farbe schwarz.

Klangqualität

Die große Frage war, ob der Dockin D-Fine+ 2 tatsächlich reiferen Klang als sein Vorgänger bietet — oder ob es sich nur um oberflächliche Produktpflege handelt. Insbesondere die drei verschiedenen Soundmodi wollte ich mir genauer ansehen, und so habe ich den Speaker einem ausführlichen Soundtest unterzogen.

Und bereits nach wenigen Minuten Hörtest wird deutlich, dass sich im Vergleich zum Vorgänger nur wenig geändert hat. Ich bin zwar nicht vom Klang enttäuscht, doch für den Preis von 200 Euro hätte ich erwachseneren Klang erwartet. Aber der Reihe nach…

Zuallererst fällt auf, dass der Neue deutlich leiser als sein Vorgänger daher spielt. Das ist etwas verwunderlich. Schließlich war die hohe Maximallautstärke und hohe Pegelfestigkeit bei den oberen Lautstärke-Leveln eines der Hauptverkaufsargumente schlechthin. Andere Lautsprecher wie der JBL Xtreme 2 spielen auch auf hohen Lautstärken noch unbeeindruckt dahin.

Die drei Soundmodi klingen in der Therorie überaus praktisch – man kann den Klang den äußeren Bedingungen anpassen. Sport im Freien? Hier wählt man einfach den „Bass-Modi“ aus, damit die tiefen Töne nicht von der Umgebung verschluckt werden. In der Praxis scheitert der Ansatz dann doch etwas. Im standardmäßigen Balance-Modus kommen die Bässe bei niedriger Lautstärke zu wenig zur Geltung. Musik flüstert teilweise ohne Bassfundament vor sich hin. Verwendet man hier allerdings den Bassmodus, so werden die Bässe etwas verzerrt dargestellt. Bei maximaler Lautstärke wird der Klang auch kaum angepasst oder komprimiert, so klingt der Lautsprecher dann fast schon ein wenig dumpf. Hier fehlt der Box einfach die Durchsetzungsfähigkeit und Kraft, um Musik wirklich authentisch darzustellen. 

Der Name „D Fine“ trifft meiner Meinung nach nicht so richtig zu. Im Hochtonbereich haben andere Modelle ganz klar die Nase vorn: Der JBL Xtreme 2, Marshall Killburn 2 oder Vifa Helsinki liefern hier ein deutlich präziseres Klangbild, das Instrumente und Stimmen präsent und offen darstellt. Musik klingt beim Dockin D Fine+2 fast schon fast so, als wäre sie im Lautsprecher gefangen. Besonders bei veränderter Hörposition sind schnell Klangtrübungen zu sehen. Hier haben Modelle wie der Teufel Rockster Cross den Vorteil, dass die Höchtöner nach seitlich außen gerichtet sind und so weniger Sweetspots gegeben sind. 

Bei den Bässen fehlt dem D Fine+ 2 der Tiefenbass, mit welchem das Hören von Hip-Hop oder House-Musik wirklich Spaß macht. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Berliner Hersteller nachgebessert hat.

Insgesamt hätte ich vom Klang des Nachfolgers mehr erwartet.

Pairing

Beim anfänglichen Bluetooth-Pairing lässt Dockin nichts anbrennen: Man schaltet den Lautsprecher ein, wählt den Namen „DOCKIN D FINE+ 2“ im Bluetooth-Menü am Smartphone aus – und schon steht die Verbindung. Ein kurzer Piepston bestätigt die Verbindung. Ein wenig unpraktisch: Die Signaltöne lassen sich nicht ausschalten.

Beim zukünftigen Einschalten des Lautsprechers wird automatisch die Verbindung mit dem zuletzt verwendeten Musikzuspieler hergestellt. Das spart Zeit und Nerven. Praktisch wäre noch gewesen, wenn sich der D-Fine+ 2 noch mit den zwei zuletzt verbundenen Zuspielern verbinden würde, wie es etwa bei den SoundLink Modelle von Bose Gang und Gebe ist. 

Schade ist, dass Dockin keine Multi-Pairing Funktion verbaut hat. Will man etwa zwischen Musik auf dem Smartphone und Laptop hin- und her wechseln, muss man vorher umständlich die Verbindung entkoppeln und am neuen Gerät wiederherstellen. Für den Preis von rund 200 Euro hätte man diese mittlerweile weit verbreitete Feature durchaus noch integrieren können.

Immerhin: Mit dem Stereo-Mode lassen sich mehrere Dockin Lautsprecher zu einer Stereo- bzw. Surround-Einheit zusammen schließen. Zum Beispiel beim Filme schauen zuhause könnte das äußerst nützlich sein. Gemäß Webseite ist dazu keine App erforderlich. Man hält einfach die Verbindungstaste für mehrere Sekunden gedrückt, und schon sollte Musikgenuss mit Bluetooth-Standard 4.2 vorhanden sein.

Bedienung

Bei der Bedienoberfläche gibt sich Dockin minimalistisch.

Alle Bedienelemente befinden sich an der Oberseite: Die standardmäßige Lauter- und Leiser-Taste, eine Ein-/Ausschalttaste, eine Bluetooth-Taste und die Klangmodi-Taste. Das war’s auch schon. Unterhalb der Tasten befinden sich drei kleine LED-Leuchten, die den Betriebsstand, die Bluetooth-Verbindung oder auch den Akkustand liefern.

Ähnlich wie beim kleineren Dockin D Mate ist es etwas umständlich gelöst, dass beim Einschalten die Einschalttaste für mehrere Sekunden gedrückt werden muss. Das beansprucht unnötig Zeit; ein kurzes Drücken wäre hier schöner gewesen.

Die Signaltöne fallen schön schlicht und kurz aus — kein Vergleich zu den nervigen Trommelgeräuschen der Ultimate Ears Modelle. Die erfoglreich hergestellte Bluetooth-Verbindung wird mit einem kurzen Piepston bestätigt. Beim Ein- und Ausschalten erklingt ein dreistufiger Akkordton, der etwas an einen TV Nachrichten-Sender erinnert. Einen quasselnden Sprachassistenten wie bei Bose findet man nicht.

Praktisch: Musik kann direkt am Lautsprecher gesteuert werden. Für das Pausieren bzw. Fortsetzen von Musiktiteln reicht ein kurzes Drücken der Play-Taste aus. Mit dem Gedrückthalten der „Leiser-Taste“ springt man zum vorherigen Song; mit Gedrückthalten der „Lauter-Taste“ gelangt man zum nächsten Track. Das ist praktisch, doch auch etwas umständlich gelöst. Intuitiver wäre das kurze zwei bzw. dreimalige Drücken der „Play-Taste“ gewesen.

Hinter der Gummikappe an der Rückseite verbergen sich die standardmäßigen Anschlüsse: Eine runde Aufladebuchse ermöglicht das Aufladen des Lautsprechers über die Steckdose; der Audio-Eingang erlaubt das Verbinden des Lautsprechers per Klinkenkabel. Eine weitere Besonderheit ist die „Powerbank-Funktion“: Hierüber kann das Smartphone aufgeladen werden, sollte ihm unterwegs einmal die Puste ausgehen.

Immerhin: Die integrierte Freisprechfunktion konnte im Test überzeugen, wenn die Sprachausgabe auch etwas gedämpft wirkte. Verzerrungen oder Knacksen waren nicht zu hören. Beim Empfänger war machte es den Eindruck als würde der Gesprächspartner aus einiger Entfernung sprechen.

Akkulaufzeit/Reichweite

Beim Akku hat sich im Vergleich zum Vorgänger wenig geändert.

Der 9600 mAh starke Akku liefert laut Hersteller starke 16 Stunden Spielzeit. Im Test erreichte ich bei halber Lautstärke gerade einmal 13 Stunden Spielzeit. Das ist immer noch ein akzeptabler Wert und kommt an den Wert des Vorgängers heran. Bei maximaler Lautstärke waren es dann noch 4:30 Stunden.

Schön ist, dass der Akku nun ausgetauscht werden kann. Damit kann man nach einigen Jahren Gebrauch die Batter herausnehmen und durch eine Neue ersetzen.

Die Bluetooth-Verbindung erwies sich im Test als stabil. Auch durch zwei 20-dicke Wände hindurch blieb die Verbindung ohne Ruckeln und Unterbrechungen bestehen. Hier kann das integrierte Bluetooth 4.2 Modul seine Stärken ausspielen. Von der angepriesenen Bluetooth-Verbindung in CD-Qualität mit ApxtX war im Test nur wenig zu bemerken. 

Fazit

Der Dockin D Fine+ 2 kann mit einem schlichten Design, einer simplistischen Bedienoberfläche und einer üppigen Ausstattung punkten. Dazu kommt die ordentliche Akkulaufzeit, die integrierte Powerbank-Funktion und die Möglichkeit, den Akku auszuwechseln.

In der wichtigsten Disziplin eines Bluetooth-Lautsprechers, der Klangqualität, hatte ich mehr erwartet. Der D Fine+ 2 klingt zwar keinesfalls schlecht, doch im direkten Vergleich mit dem Vorgänger handelt es sich eher um einen Rück- als Fortschritt. Die maximale Lautstärke ist geringer und aufgrund der neuen drei Klangmodi fallen die klanglichen Eigenschaften etwas sonderbar aus. Bei leisen Lautstärken sind die Bässe im standardmäßigen „Balance Mode“ einfach zu dünn, bei maximaler Lautstärke werden sie nicht nachgeregelt.

Auch die Höhen können im direkten Vergleich mit der Konkurrenz (JBL Xtreme 2, Marshall Killburn 2) nicht so richtig überzeugen. Dafür fehlt ihnen einfach die Präzision und Offenheit. Bereits bei leicht seitlichem Hörwinkeln sind deutliche Klangtrübungen wahrzunehmen. Bei hinterer Hörposition ist das Klangbild dann einfach zu dumpf, um wirklich überzeugen zu können.

Für den derzeitigen Preis von rund 200 Euro sollte man sich gut überlegen, nicht die alte Version zu kaufen oder in einen High-End Bluetooth Lautsprecher wie den Vifa Helsinki zu investieren. In der Größenklasse sind außerdem der JBL Xtrem 2 und der Marshall Killburn zu empfehlen.

 

 

 



  1. Johannes S.

    Schade, Dfine hat sich hier keinen Gefallen getan. Er klingt jetzt wie ein Mülleimer. Leblos.
    Ich habe den Define +. Mit dem bin ich sehr zufrieden.

  2. Tim

    Ich finde man muss fairerweise sagen dass der JBL xtreme 2 oder Dockin dfine 1 von der Größe und dem Preis schon eher vergleichbar wäre aber trotzdem ist der Dockin D Fine 2+ nicht wirklich so überzeugend..dann lieber 250 für den teufel rockster cross investieren.

  3. Audio Techniker

    Sehr schöner Vergleich. Und auch wenn ich das Wort enttäuschend nur ungerne verwende, würde ich sagen für ein Upgrade, welches er ja darstellen soll, lässt er doch entscheidende Merkmale vermissen. Zum Preis des alten Define + vllt ok, aber für 200 macht er Zuviel „falsch“. Danke für den Testbericht

  4. Christian Olesch

    Der DFINE und auch der DFINE+ haben ein Problem das in Tests bisher nicht aufgefallen ist: Wenn man über Bluetooth ganz leise Musik hört, zuhause, so dass die Musik im Hintergrund bleibt, pumpt die Lautstärke, zwischen leisen und lauten Passagen. Das wird wohl durch ein Noise Gate bei der Signalverarbeitung verursacht und verleidet jeglichen Musikgenuss. Ich musste die Box zurückgeben.


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