Doss Soundbox im Praxistest: Großer Klang zum kleinen Preis?

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Der Hersteller Doss hat sich in den letzten Jahren im Segment der mobilen Bluetooth-Lautsprecher einen Namen gemacht. Das Versprechen vom „guten Klang zum kleinen Preis“ steht dabei im Vordergrund. Mittlerweile hat die fast 20 Jahre alte, deutsche Audio-Marke zahlreiche mobile Boxen in verschiedensten Größen im Portfolio — darunter auch die Doss Soundbox. 

Mit über 5000 Bewertungen alleine auf dem deutschen Amazon-Marktplatz wollte ich mich einmal selbst von den klanglichen Qualitäten des kleinen Speakers überzeugen. Von „Ausgezeichneter Soundqualität“ und „verstärkten Bässe“ ist auf der Produktseite sowie in den zahlreichen Kundenrezensionen die Rede.

So habe ich mir die kleine Box einmal nach hause liefern zu lassen und sie über mehrere Tage hinweg mit Modellen verschiedener Preis- und Größenklasse zu vergleichen.

Design/Ersteindruck

Mit dem schwarzen Aluminium-Gitter hinterlässt die Doss Soundbox einen ordentlichen ersten Eindruck. Die Ober- und Unterseite aus Hartplastik trüben das Gesamtbild ein wenig; hinzu kommen die verspielten Tasten an der Gehäuseoberseite. Kein Vergleich zur Premium-Optik anderer Modelle von z.B. Bose oder Bang & Olufsen. Dank des schlichten, klassischen Designs sollte sich der Speaker allerdings problemlos in die heimische Wohnlandschaft einfügen.

Ein wenig verwunderlich ist die umliegende Einkerbung an der Oberseite, die wohl als Design-Element dienen soll, allerdings keinen wirklichen praktischen Nutzen erfüllt. Hier hat sich im Test immer wieder Staub und Schmutz angesammelt, der dann gelegentlich entfernt werden musste. 

Die schwarze Lackierung des Lautsprechergitters strotzt nicht gerade vor Robustheit. Nach wenigen Tagen schonender Benutzung war bereits ein großer Schriemen an der linken Seite zu sehen. Hier könnte man sicherlich noch nachbessern. Zum Vergleich: Bei meinem Bose SoundLink Revolve sind selbst nach mehreren Monaten täglichem Gebrauch keine merklichen Kratzer am Metallgitter wahrzunehmen. Ein Spritzwasserschutz ist nicht gegeben. 

Dank vier gummierter Standfüße an der Unterseite steht die Doss Soundbox stabil auf verschiedensten Untergründen — sei es auf dem Bett, im Gras oder dem wackeligen Sofa. Das kann man von so manch anderem Lautsprecher wie dem JBL Flip 5 oder Marshall Stockwell 2 nicht behaupten.

Mit einem Gewicht von rund 560 Gramm ist die SoundBox leicht genug, um sie mal eben in den Rucksack oder die Reisetasche zu schmeißen. Die kompakten Maße von rund 17cm x 7,5cm sorgen zusätzlich für die nötige Portabilität. In einer Jacken- oder Hosentasche wird man die Box allerdings nur schwerlich unterbringen.

Erhältlich ist die Doss Soundbox nur im klassischem Schwarz.

Klangqualität

Am meisten war ich natürlich auf die klanglichen Qualitäten des angepriesenen Speakers gespannt. Besonders hat mich interessiert, ob der günstige Speaker mit ähnlich großen (wenn auch teureren) Lautsprechern wie dem Bose SoundLink Revolve oder auch dem JBL Flip 5 mithalten kann. Auf diversen Online-Portalen ist von „vollem Stereo-Sound“ und „satten Bässen“ die Rede. Das musste ich mir einmal genauer ansehen.

So koppelte ich die SoundBox mit meinem iPhone und spielte die standardmäßige Playlist ab. Bereits nach wenigen Sekunden machte sich Enttäuschung breit: Die Box klingt zwar nicht flach wie viele andere Lautsprecher dieser Preisklasse. Doch so wirklich überzeugen kann der Klang nicht. Dazu fehlt den Bässen die nötige Kraft, Tiefe und Klarheit. Den Höhen mangelt es an Brillanz, um Stimmen und Instrumente wirklich authentisch darzustellen. Unauffälligere Base-Drums werden förmlich verschluckt. Besonders bei moderner, elektronischer Musik vermisst man Offenheit und Klangvolumen.

Auch sonst werden die Probleme der günstigen Preisklasse deutlich: Bei niedriger Lautstärke sind die Bässe kaum noch wahrzunehmen. Musik flüstert regelrecht vor sich hin. Eine Equalizer-App, mit dem die Bässe nachgeregelt werden können, gibt es nicht.  Bei hohen Lautstärken ab 70% werden die Bässe dann derart komprimiert, dass Musik angestrengt und schrill wirkt. Bei maximaler Lautstärke ist Musik dann ganz ungenießbar — eine kleine Party sollte man damit besser nicht beschallen.

Ebenso bei der Klangabstrahlung kann ich keine Bestnoten verteilen. Dafür ist der Klang zu richtungsgebunden. Bei frontaler Hörposition spielt Musik dank der beiden Hochtöner an der Vorderseite zwar weitestgehend unverändert. Positioniert man sich allerdings an die Hinterseite des Lautsprechers, wirkt Musik merklich dumpfer. Das liegt in erster Linie daran, dass kein Klang aus der Hinterseite des Lautsprechers austritt.

Insgesamt hatte ich mir mehr von der Soundqualität erhofft. Für ein wenig mehr Geld erhält man bereits deutlich erwachseneren Klang wie z.B. beim JBL Flip 5 oder dem Anker SoundCore Motion+.

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Pairing

Das initiale Koppeln ging ohne Patzer vonstatten: Lautsprecher einschalten, „DOSS Soundbox“ im Bluetooth-Menü des Smartphones auswählen und schon steht die Verbindung. Das erfolgreiche Koppeln wird mit einem übermäßig lauten, aufdringlichen Akkordton bestätigt. Und das, obwohl die Lautstärke auf niedrig eingestellt war. Hier wäre ein dezenter, normallauter Piepston angebrachter gewesen.

Praktisch: Beim zukünftigen Koppeln verbindet sich der Lautsprecher automatisch mit dem zuletzt verwendeten Zuspieler. Wieviele unterschiedliche Zuspieler hier abgespeichert werden können, lässt sich dem technischen Datenblatt nicht entnehmen.

Schade ist, dass keine Multi-Pairing Funktion im Lautsprecher integriert ist. Möchte man also beispielsweise zwischen Smartphone und Lautsprecher hin und her wechseln, so ist ein umständliches Entkoppeln und Neukoppeln erforderlich. Das haben andere Hersteller bereits deutlich intuitiver gelöst: Ein simples Pausieren der Musik auf dem einen Zuspieler genügt, und schon kann der andere Zuspieler die Musik fortsetzen.

Schön gewesen wäre auch eine Stereo-Pairing Funktion, die das Zusammenschließen mehrerer Lautsprecher zu einer Stereo-Einheit erlaubt. Möglicherweise wird dies über ein zukünftiges Update möglich sein.

Andere moderne Technologien wie NFC oder AptX sind nicht integriert.

Bedienung

Bei der Bedienung geht Doss einen anderen Weg wie die meisten anderen Hersteller.

Statt der standardmäßigen Lautstärke- und Bluetooth-Tasten an der Oberseite, verbaut Doss eine berührungsempfindliche „Wundertaste“, über welche sich mit kreisförmigen Bewegungen die Lautstärke einstellen lässt. Als allzu geschmeidig empfand ich die Bedienung im Test allerdings nicht. Ein feinfühliges Justieren  wie auf dem Touchscreen eines Smartphones sollte man nicht erwarten. Die Taste blinkt beim Einschalten kurz auf und leuchtet dann bei Musikbetrieb. 

Die vier umliegenden Tasten dienen primär der Musiksteuerung. Damit lassen sich Titel mit einer kurzen Berührung pausieren und anschließend wieder fortsetzen. Möchte man zum nächsten Lied springen oder einen Song wiederholen, so gelingt dies über die beiden unteren Tasten. Auch Anrufe können mithilfe der rechten, oberen Taste entgegen genommen werden.

An der Rückseite befindet sich die Ein- und Ausschalttaste. Ein wenig merkwürdig ist hierbei, dass sich der Speaker mit langem Gedrückthalten der Taste einschaltet, dann aber mit kurzem Drücken ausschalten lässt. Das hätte man einheitlicher gestalten können.

Daneben befindet sich eine Mikro-USB-Buchse, über welche der Lautsprecher aufgeladen werden kann. Mithilfe des Audio-Eingangs kann ein Zuspieler auch ohne Bluetooth-Verbindung mit dem Lautsprecher verbunden werden.

Praktisch: Mithilfe des Karten-Slots keine eine SD-Karte mit gespeicherter Musik eingesteckt werden. Aber Achtung: Man sollte besonders darauf achten, die Karte mit der richtigen Seite einzusetzen, da sie andernfalls nur schwer wieder heraus zu bekommen ist.

Hilfreich gewesen wäre noch eine LED-Leuchte, die den aktuellen Akkustand anzeigt.

Akkulaufzeit/Reichweite

Die Akkulaufzeit ist ja immer wieder ein heikles Thema bei mobilen Bluetooth-Boxen. In vielen Fällen sind Herstellerangaben überzogen und realitätsfern.

Die Akkulaufzeit beziffert Doss auf 12 Stunden. Im Test kam ich allerdings nur auf rund 8 Stunden bei mittlerer Lautstärke. Das lässt sich möglicherweise damit erklären, dass Doss hier die niedrige Lautstärke als Referenz verwendet. Bei maximaler Lautstärke waren es dann nur noch rund 2:45 Stunden.

Bei der Bluetooth-Reichweite kann die kleine Box durchaus überzeugen. Die Box spielte durch zwei 15cm-dicke Steinwände hindurch, bis die Verbindung insStocken geriet und letztlich komplett abbrach. Auf freier Strecke im Außenbereich brach die Verbindung nach rund 25 Metern ab.

Fazit

Insgesamt konnte mich die Doss Soundbox im Test nicht so richtig überzeugen. Für den gefragten Preis von rund 40€ liefert die kleine Box zwar akzeptablen Klang, doch wirklich Spaß macht das Musikhören damit nicht. Dafür fehlt es den Bässen an Punch und den Höhen an Brillanz und Offenheit. Den zahlreichen positiven Online-Rezensionen kann ich mich nicht anschließen.

Das Gehäuse wirkt zwar simpel und stylisch, ist allerdings auch recht anfällig für Kratzer, Schmutz und Flüssigkeiten.

Die Bedienung empfand ich im Test als etwas gewöhnungsbedürftig. Die runde Touch-Taste vermittelt zwar einen modernen Eindruck , lässt dann beim Feinjustieren allerdings zu wünschen übrig. Insgesamt scheint die gesamte Bedienoberfläche primär auf die Steuerung von Musiktiteln ausgelegt zu sein. Das Fehlen einer Akkustand-Anzeige wird durch den SD-Kartenslot wieder wettgemacht.

Insgesamt kann ich keine Kaufempfehlung aussprechen: Für ein wenig mehr Geld erhält man bereits deutlich erwachsener klingende Lautsprecher wie den JBL Flip 5 oder auch den Anker SoundCore Motion+.

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