Bose SoundLink Revolve+ im ausführlichen Praxistest

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Im Jahr 2011 stellte Bose seinen ersten großen Bluetooth Lautsprecher vor, den „Bose SoundLink Mobile“.Damit war er einer der ersten Lautsprecher in dieser Größe, der wirklich voluminösen Sound hervor brachte und Konkurrenzmodelle wie die Jawbone Big Jambox oder den Loewe Speaker 2go alt aussehen ließ. In den Folgejahren folgten zwei weitere Versionen des rechteckigen, populären Lautsprechers: der SoundLink II und SoundLink III, die sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreuten.

Anstatt die Reihe fortzusetzen, wählt Bose nun einen völlig anderen Weg und bringt einen von Grund auf neu designten Lautsprecher auf den Markt: Den Bose SoundLink Revolve+. Der Zylinder-förmige Speaker soll „kraftvollen, atemberaubenden Klang in alle Richtungen“ abstrahlen, spritzwassergeschützt sein und bis zu 16 Stunden Musikgenuss bieten. Eine ganze Reihe an Versprechungen.

Ich hatte den vergangenen Monaten bereits rund ein halbes Dutzend Lautsprecher mit angeblichem „Rundum-Klang“ getestet – und das Ergebnis war meist ernüchternd. Bei genauem Hinhören war der Klang von seitlicher Hörposition dumpf und unklar. Oftmals waren „Klanglöcher“ zu hören, was nicht selten den beidseitig verbauten Lautsprechern geschuldet waren. So richtig überzeugen konnte mich bisher keiner der angepriesenen Lautsprecher.

Umso gespannter war ich herauszufinden, ob Bose seinen stolzen Behauptungen auch nachkommen würde oder ob es sich wie oftmals nur um leere Marketing-Slogans handelte. So bestellte ich mir den Lautsprecher nach Hause, um ihn einem detaillierten Praxistest zu unterziehen.

Ersteindruck/Design

Erinnerte der Bose SoundLink III mit dem angestaubten Retro-Design etwas an ein Kofferradio aus alten Zeiten, so kommt der SoundLink Revolve+ im edlen Aluminium-Look daher – wenngleich das Gehäuse mit dem flexiblen Tragegriff auch etwas an eine alte Milchkanne erinnert;)

Mit der Oberfläche aus gebürstetem Aluminium hinterlässt der Revolve+ einen schlichten, aber dennoch sehr hochwertigen Eindruck. Dabei reduziert Bose die Öffnungen und Fugen am Abdeckgitter auf ein Minimum, um das Ansammeln von Staub und Schmutz zu verhindern. Ähnliche Geräten von Apple, wirkt das Gehäuse damit wie aus einem Guss und macht neben Macbook, oder iPad eine überraschend gute Figur.

Die gummierte Ober- und Unterseite ragt leicht über den Rand hinaus, um beim versehentlichen Umstoßen des Speakers Kratzer am Abdeckgitter zu verhindern. Aber auch das Innenleben hat Bose mit der nötigen Robustheit ausgestattet: Spezielle Materialien sorgen dafür, dass es bei Erschütterungen oder unsanften Stößen zu keinen Beschädigungen an der inneren Elektronik kommt. Im Test hat der Revolve+ mehrmals unsanfte Landungen hingelegt – eine großen Schaden außer der kleinen Delle an der gummierten Oberseite konnte ich nicht feststellen.

Besonders erfreulich: Die edle Klangbox ist nun nach IPX4-Standard spritzwassergeschützt. Damit kann man den Revolve+ auch neben dem Pool aufstellen, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass der Speaker beschädigt wird. Ins Wasser eintauchen sollte man die Box allerdings nicht – dafür wäre der Schutz nach IPX7-Standard nötig (zeitweiliges Untertauchen von 3 Metern bis zu 30 Sekunden möglich). Damit eignet sich der Revolve+ auch für’s verregnete Festival oder den Einsatz am See.

Im Lieferumfang sind ein Micro-USD Kabel, ein Netzstecker, verschiedene Adapter sowie eine Bedienanleitung enthalten. Etwas schade finde ich, dass die runde Ladeschale für das stationäre Laden für rund 30 Euro zusätzlich erworben werden muss. Für den stolzen Preis von rund 250 Euro hätte Bose diese noch mit ins Paket legen können.

Klangqualität

Nun aber zum wohl spannendsten Punkt, der Klangqualität. Ich war gespannt zu erfahren, ob sich die waghalsigen Versprechungen des amerikanischen Herstellers bewahrheiten würden.

Und tatsächlich: Bei ersten Probehören wird klar, dass Bose mit seinen Werbeslogans nicht übertrieben hat. Der Klang breitet sich gleichmäßig in alle Richtungen aus und kommt ohne die Sweetspots und Frequenzabfälle der meisten anderen 360-Grad-Lautsprecher aus. So erhält jeder Zuhörer im Raum das gleich Hörerlebnis, egal ob er sich in der Mitte, am Rand oder sonstwo befindet. Wirklich lobenswert – das hat so noch kein anderer Hersteller umgesetzt. Beim Beoplay A2 sowie der UE Megaboom waren immer wieder starke Klangverfärbungen von seitlichen bzw. hinterem Hörwinkel zu vernehmen. Möglich ist dies laut Bose durch einen neuen, patentierten akustischen Deflektor, welcher den Klang der leistungsstarken Schallwandler an der Unterseite gleichmäßig nach außen hin reflektiert.

Neben dem gleichmäßigen Klangabstrahlung fallen auch gleich die kräftigen Bässe auf, die bis in die unteren Etagen (bis ca. 60Hz) hinunter reichen. Damit sorgt der Speaker besonders beim Hören von Hip-Hop Tracks oder Deep-House Musik für ausreichend Hörspaß. Besonders erfreulich: Auch bei geringerer Lautstärke sind die Bässe noch kräftig genug, um den Klang nicht fad oder leblos wirken zu lassen. Kein Vergleich zu den UE Boom Modellen, die bei geringer Lautstärke nur noch so vor sich hin flüstern. Möglich sind die kräftigen Bässe laut Hersteller durch zwei entgegengesetzte Passivstrahler, sowie einer „Bassfalle“, die Verzerrungen verhindert, wie es auch schon bei den SoundLink Mini Modellen der Fall war.

Aber auch bei hohen Lautstärken kann sich der Klang sehen lassen: Erst ab ca. 75% der maximalen Lautstärke beginnen die Bässe merklich in den Hintergrund zu treten, um einem unschönen Übersteuern entgegen zu wirken. Für eine ausgelassene Party zuhause könnte auch der Klang bei maximaler Lautstärke noch ausreichen, doch hier empfehlen sich eher Modelle wie der JBL Xtreme 2 oder auch der JBL Charge 4 – diese spielen bei noch höheren Lautstärken kräftige Bässe ab. Die maximale Lautstärke befindet sich mit rund 90 Dezibel auf einem ähnlichen Niveau wie bei vergleichbaren Modellen. Dank 100 Lautstärke Stufen kann Musik auch bei niedrigen Lautstärken noch präzise genug eingestellt werden.

Hatte ich beim kleinen SoundLink Mini 2 die dröhnenden Bässe mit den übertönten Mitten bemängelt, so finde ich den Klang des Revolve+ deutlich ausgeglichener. Die Mitten werden nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen, wenn auch die Bose-typische Klangsignatur mit den kräftigen Bässen durchaus vorhanden ist. Insgesamt wird Musik detailreich, räumlich und ausgeglichen wieder gegeben.

Im Gegensatz zum kleineren Revolve-Speaker, sind die Bässe noch einmal kräftiger, die Klangfülle voluminöser und die maximale Lautstärke höher. Für mich liefert der Bose SoundLink Revolve+ den derzeit besten Klang in seiner Größenklasse. Für einen Lautsprecher in dieser kompakten Größe hat Bose hier Erstaunliches geleistet.

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Pairing

In Sachen Pairing hat die Klangbox alles mit an Bord, was die moderne Technik erlaubt.

Bereits das initiale Verbindungen geht ohne Patzer vonstatten: Lautsprecher einschalten, „Bose Revolve+ SoundLink“ im Bluetooth-Menü am Smartphone auswählen – und voilà. Schon steht die Verbindung. Mit einem dezenten Piepston und der Aussage „Verbunden mit Philipp’s iPhone“ wird das erfolgreiche Koppeln bestätigt.

Zukünftig verbindet sich der Speaker dann automatisch mit den zuletzt verwendeten Zuspielern – vorausgesetzt, der Bluetooth-Modus ist am jeweiligen Endgerät bereits aktiviert. Das ist praktisch und spart Zeit. Bis zu acht verschiedene Musikzuspieler kann der Revolve+ speichern, danach wird der älteste Zuspieler durch den Neuesten ersetzt.

Wie bereits beim SoundLink Mini 2, ist auch beim Revolve+ eine Multipairing Funktion integriert. Damit können mehrere Zuspieler wie z.B. Smartphone, Tablet oder Laptop gleichzeitig mit dem Bluetooth-Lautsprecher verbunden werden. Möchte man also von einem Zuspieler zum anderen wechseln, so pausiert man einfach die Musik – und schon kann der andere Zuspieler übernehmen. Ich selbst switche oft zwischen Macbook und iPhone hin und her und finde das Feature äußerst praktisch. Aber auch bei der kleinen Feier mit Freunden in den heimischen vier Wänden, können so verschiedene Leute DJ spielen und ihr Lieblings-Playlist zum Besten geben.

Besonders erfreulich finde ich die Stereo-Pairing Funktion. Mithilfe der kostenlos verfügbaren „SoundLink Connect“ App lassen sich mehrere SoundLink Lautsprecher zu einer Stereo-Einheit zusammen schließen. Und der Effekt ist durchaus  beeindruckend: Es entsteht eine echte Stereo-Bühne, die Musik zum Klangerlebnis werden lässt. Besonders beim Filme- und Netflix Streamen war ich von der Detailtreue und Räumlichkeit des Stereo-Klangs beeindruckt, was verglichen mit traditionellen Stereo-Lautsprechern wohl insbesondere dem 360° der beiden SoundLink Speaker zu verschulden ist. Meine Empfehlung: Wer über das nötige Kleingeld verfügt, der sollte ernsthaft in Erwägung ziehen, zwei SoundLink Lautsprecher zu erwerben.

Bedienung

Wie bei allen aktuellen SoundLink-Modellen ist auch der Revolve+ mit einem Sprachassistenen ausgestattet. Bereits beim anfänglichen Einschalten quasselt eine weibliche, roboterartige Stimme daher, die um Auswahl der Sprache über die „+“ bzw. „-“ Taste, und anschließende Bestätigung über die Multifunktionstaste bittet. Beim zukünftigen Anschalten ertönt dann nur noch „Verbunden mit Philipp’s iPhone“, gefolgt von eine Angabe der Akkulaufzeit in Zehn-Prozentschritten.

Zugegeben: Ich bin kein großer Freund von Sprachansagen und empfinde diese meist als nervige Spielerei. Doch beim Revolve+ ist das anders: Insbesondere beim Bluetooth-Pairing oder Änderungen der Grundeinstellungen erleichtert die Stimme die Menüführung. Sollte einem die Stimme nach einiger Zeit zu sehr auf die Nerven gehen, kann man sie mit mehrsekündigem, gleichzeitigem Gedrückthalten der Leiser- und Lautertaste deaktivieren.

Auch bei der Bedienoberfläche hat Bose die Designsprache simpel gehalten. An der gummierten Gehäuseoberseite befinden sich lediglich sechs kreisförmige Tasten: Die Ein-/Ausschalttaste, Bluetooth-Taste, Leister-/Lautertaste sowie die Multifunktionstaste. An der Rückseite befindet sich ein Micro-USB Anschluss für das Aufladen des Speakers. Das war’s auch schon. Auf AUX-Tasten oder sonstige Bass-Boost-Tasten wird verzichtet. Damit keine Flüssigkeiten und Schmutz ins Innere des Lautsprechers dringen, hat Bose die Tasten mit einer Kautschuk-Silikonschicht überzogen. Mithilfe des verbauten Mikrofons kann der Lautsprecher als eine Art „Freisprecheinrichtung“ verwendet werden; eingehende Anrufe können durch ein kurzes Drücken der Multifunktionstaste angenommen bzw. blockiert werden, was im Test problemlos funktioniert hat.

Praktisch ist auch die Titelsteuerung am Lautsprecher: Mit kurzem Drücken der Multifunktionstaste kann Musik pausiert und fortgesetzt werden, mit zweimaligem Drücken springt man zum nächsten Lied. Mit dreimaligem Drücken gelangt man zum vorherigen Titel. Sinnvoll könnte das zum Beispiel dann sein, wenn man beim Kochen schmutzige Hände hat und nicht zum Smartphone in der Hosentasche greifen kann. Auch das schnelle Pausieren von Musik könnte bei der ein oder anderen Alltagssituation von Nutzen sein. Ich persönlich nutze die Funktion eher selten.

Wie schon beim kleinere Modell SoundLink Mini 2 schaltet sich der Speaker automatisch nach 30 Minuten ab. Deaktiviert werden kann die Funktion durch gleichzeitiges, langes Drücken der Bluetooth-Taste und „+“ Taste.

Generell finde ich die Bedienoberfläche sowie die Benutzerführung des SoundLink Revolve+ sehr gelungen. Das hat bisher kaum ein anderer Hersteller so gut umgesetzt.

Akkulaufzeit/Reichweite

Eine der größten Verkaufsargumente beim SoundLink Revolve+ ist fraglos die hohe, angegebene Akkulaufzeit von 16 Stunden (das kleinere Revolve Modell verfügt über 12 Stunden Spielzeit). Auch wenn dieser Wert anfang als aus der Luft gegriffen schien, so stellte er sich in der Praxis als realistisch heraus. Bei ca. 1/3 der maximalen Lautstärke spielte der Speaker rund 14,5 Stunden meine Musik Playliste ab, bevor die rote Leuchte zu blinken begann und sich der Speaker schließlich komplett abschaltete. Damit setzt sich Bose an die Spitze der Skala. Konkurrenzmodelle wie die UE Megaboom 3 oder der JBL Xtreme 2 kommen nicht einmal auf 10 Stunden Spielzeit.

Bei maximaler Lautstärke spielte der portable Lautsprecher noch ganz 4,5 Stunden meine Deep-House Musik ab. Auch dieser Wert ist durchaus beachtlich, wenn man die hohe Maximallaustärke bedenkt. Für die ein oder andere Party im und um’s Haus sollte der Speaker damit allemal ausreichen. Im Notfall könnte man während der Musikwiedergabe auch an die Stromversorgung anschließen. Für die vollständige Aufladung über das Netzteil oder die runde Ladeschale benötigt der Lautsprecher ca. 4 Stunden. Über einen USB-Anschluss wird der Ladevorgang aufgrund der geringeren Ladeleistung deutlich verzögert.

Die Bluetooth-Reichweite betrug beim Test unter freiem Himmel rund 30 Meter – ebenfalls ein akzeptabler Wert. Im Haus selbst brach die Verbindung erst nach zwei 35cm dicken Steinwänden ab und es kam zu gehäuften Aussetzern.

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  1. Dirk

    Um es kurz zu machen, sehr guter Testbericht. Besser hätte ich es nicht schreiben können.Vielen Dank dafür. P.S.: Ich bin gespannt auf den nächsten Bose Lautsprecher und was da noch rauskommen wird in naher Zukunft.


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