UE Megaboom 3 im Praxistest: Endlich erwachsener Klang aus der Dose?

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Nach dem Erfolg des kleinen UE Boom Lautsprechers brachte Ultimate Ears bereits Mitte 2015 eine XXL Variante auf den Markt: Die UE Megaboom. Diese versprach „mitreißende Bässe“ und „volle Lautstärken“ sowie eine Akkulaufzeit von 20 Stunden.

In der Praxis konnte der Speaker allerdings wenig überzeugen: Der Klang ließ zu wünschen übrig. Es schien, als sei die UE Megaboom für maximale Lautstärke statt maximaler Klangqualität konzipiert worden. Dem Sound fehlte im unteren Frequenzbereich einfach der nötige Tiefgang und Musik klang mit dem betonten Oberbass hohl und kraftlos.

Insbesondere bei leisen Lautstärken machte das Musik hören mit der Megaboom keinen Spaß, hier hätte man die Bässe ein wenig hochregeln sollen. Bei hohen Lautstärken klang die Megaboom dann einfach wieder zu angestrengt. Für einen Preis von rund 200 Euro hatte ich mir eine deutlich bessere Klangabstimmung erhofft.

Nun startet Ultimate Ears einen zweiten Versuch: Rund drei Jahre später kommt die UE Megaboom 3 auf den Markt (Die Bezeichnung UE Megaboom 2 überspringt der Hersteller). Auf der Webseite ist von „extrem mächtigem und raumfüllendem 360°-Sound“, „dröhnenden Bässen“ und „marktführender Akkulaufzeit“ die Rede. Der Hersteller fügt hinzu „Im Gegensatz zu den meisten anderen tragbaren Lautsprechern bleibt die Klangtreue bei hohen Lautstärken erhalten. Ohne Überspitzung oder Verzerrung.“

Das wollte ich mir natürlich einmal genauer anhören. Aufgrund meiner eher bescheidenen Erfahrungen mit den bisherigen UE Modellen, wollte ich wissen, ob die neue Box nun endlich fetzigen Klang bieten würde, oder ob es sich erneut um überzogene Marketing-Floskeln des kalifornischen Herstellers handelt. So habe ich mir die neue Box nach Hause bestellt und sie mit anderen Modellen der Größenklasse wie der SoundLink Revolve+ verglichen.

Design/Ersteindruck

Die neue UE Megaboom 3 hebt sich nur geringfügig vom Vorgänger ab. Der ikonische Gummistreifen, auf welchem die großen Plus- und Minusknöpfe angebracht waren, wurde merkbar verschmälert und auf die Rückseite versetzt. Stattdessen sind die Tasten nun direkt auf der Stoffummantelung an der Vorderseite fixiert. Damit soll wohl eine bessere Wiedergabe des 360°-Klangs ermöglicht werden.

Auch an der Oberseite gibt es Neuerungen. Die zuvor lediglich zum Ein- und Ausschalten verwendete Taste wurde in einen „Magic Button“ verwandelt, welcher das Abspielen, Anhalten und Überspringen von Musiktiteln ermöglicht. Auch auf Musik-Playlists von Spotify, Deezer oder anderen Musikstreaming-Diensten soll man damit zugreifen können.

Wie bereits beim Vorgänger ist das Gehäuse mit einem zweifarbigen Performance-Gewebe überzogen, welches laut Hersteller ursprünglich bei Motorradjacken und Brandschutzkleidung zum Einsatz kommt. Der „spezielle Färbeprozess“ verleiht dem Speaker seinen Hochglanzeffekt mit den zahlreichen Farbmustern. Darüber hinaus bringt UE nun eine Art Schlaufe an der Oberseite an, die wohl das Befestigen eines Karabiners ermöglichen soll. 

UE Megaboom 3Die UE Megaboom 3 ist für den hartgesottenen Outdoor-Einsatz konzipiert. Mit einem Wasserschutz nach Schutzklasse IP67 kann der Lautsprecher für bis zu 30 Minuten ins Wasser eingetaucht werden – dabei schwimmt er an der Wasseroberfläche. Ideal, um die Box auch mal mit auf den See oder das verregnete Festival zu nehmen. Die innere Elektronik ist darauf ausgelegt, auch Stöße und Stürze problemlos zu überstehen. Im Test konnte sich der Wasserschutz sowie die Sturzresistenz bestätigen.

Mit einem Gewicht von rund 900 Gramm ist die Box deutlich weniger portabel als das kleine Schwestermodell UE Boom 3. In eine Jackentasche passt die Megaboom 3 zwar nicht mehr, aber sie ist immer noch kompakt genug, um sie mal eben schnell in die Sporttasche zu schmeißen. Im Reisekoffer oder größeren Backpack findet der Speaker locker Platz.

Lobenswert ist, dass Ultimate Ears einen Netzstecker in den Lieferumfang legt. So muss man den Speaker nicht umständlich über die USB-Buchse am Laptop aufladen und lange Ladezeiten in Kauf nehmen (Bei der kleineren UE Boom 3 ist lediglich ein Mikro-USB Kabel enthalten). Für noch komfortableres Laden kann für stolze 39 Euro eine stationäre Ladeschale erworben werden.

Erhältlich ist der Speaker in so ziemlich jeder erdenklichen Farbe.

Klangqualität

Mit dem vergrößerten Gehäuse und der neueren Technik lag die Annahme nahe, dass Ultimate Ears die klanglichen Schwächen der alten Megaboom aufgearbeitet hat und endlich reifen, raumfüllenden Klang bieten würde.

Doch bereits nach einigen Sekunden Probe hören macht sich Ernüchterung breit: Anstatt tiefer, räumlicher Bässe tritt ein betonter Oberbass ans Ohr, der hohl  klingt und an das Klopfen an einen alten Holzschrank erinnert. Das ist schon ein wenig schwach, wenn man bedenkt, welch kräftige Bässe andere Hersteller wie Bose oder JBL bereits seit Jahren in teilweise nur halb so großen Modellen unterbringen. Besonders Kick- und Housebässe klingen wenig natürlich – kein Vergleich zum ähnlich teuren Bose SoundLink Revolve+, der untenrum erstaunlich druckvoll und voluminös klingt und bis 45Hz hinunter spielt. 

UE Megaboom 3 vs Revolve+Problematisch ist auch die klangliche Abstimmung bei verschiedenen Lautstärken, so fehlt bei niedrigen Lautstärken der nötige Tiefgang und der Speaker flüstert ohne druckvolle Bässe nur noch vor sich hin. Alle, die sich gerne mit leiser Hintergrundmusik berieseln lassen, werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Ab ca. 50% der maximalen Lautstärke wird es mit den Bässen dann etwas besser und sie bleiben bis 80% der Lautstärke auf einem guten Niveau. Ab den obersten zwei Stufen ist der Klang dann allerdings nicht mehr zu gebrauchen, die Musik verkommt zu Mischmasch. Generell wirkt die UE Megaboom 3 einfach zu angestrengt, um wirklich begeistern zu können, auch wenn die Höhen mäßig klar sind und nur minimal verzerren. Da spielen andere Lautsprecher der Größen- und Preisklasse wie z.B. die JBL Xtreme 2 oder der Bose SoundLink Revolve+ deutlich gediegener daher.

Laut spielen kann die UE Megaboom ja, die Lautstärke liegt auf etwa gleichem Niveau wie beim JBL Charge 4 oder Anker SoundCore+, aber was bringt das schon, wenn der Klang auf den obersten Stufe ungenießbar wird? Für’s Krach machen auf Parties oder kleineren Veranstaltungen ist das akzeptabel, doch für den Preis von 200 Euro erhält man deutlich besser klingende Lautsprecher.

Quelle: ifixit

Auch beim 360-Grad-Klang kann ich mir das Meckern nicht verkneifen. So ist die Klangverfärbung bei verschiedenen Hörwinkeln zwar ein wenig besser als beim Vorgänger, doch so ganz echten 360-Grad-Klang liefert die Megaboom 3 nicht. Hält man die Box einmal direkt vor sich und dreht die Box langsam um die horizontale Achse, so stellt man deutliche Änderungen beim Klang fest. Sobald die beiden Chassis direkt auf einen gerichtet sind, wirkt der Klang deutlich klarer und ausgeglichener. Da verzichte ich doch lieber auf Rundum-Klang.

Praktisch finde ich die „Boom-App“, mit der man Zugriff auf einen Equalizer erhält. Wirklich präzise lässt sich der Klang damit allerdings nicht einstellen, hierfür ist das Frequenzband einfach zu beschränkt. Die Voreinstellung „Bassverstärkung“ hilft nicht wirklich dabei, den Klang aufzupolieren, sondern lässt ihn eher noch dumpfer wirken.

Insgesamt hat mich der Klang der UE Megaboom 3 enttäuscht und ich hätte mir vom großen Nachfolgermodell deutlich mehr erwartet.

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Pairing

Wie bei den meisten zeitgemäßen Bluetooth Lautsprechern geht das Koppeln von Lautsprecher problemlos von der Hand. Lautsprecher einschalten, Gerät auf dem Smartphone auswählen und verbinden. Schon steht die Verbindung.

Das initiale Verbinden geht ohne Patzer vonstatten: Lautsprecher einschalten, „Megaboom 3“ im Bluetooth-Menü am Smartphone auswählen – und voilà. Schon steht die Verbindung. Mit einem etwas kurzen Trommelton wird das erfolgreiche Koppeln bestätigt.

Zukünftig verbindet sich der Speaker dann automatisch mit dem zuletzt verwendeten Zuspieler – vorausgesetzt, der Bluetooth-Modus ist am jeweiligen Endgerät bereits aktiviert. Dabei speichert die UE Megaboom 3 bis zu acht Quellgeräte. Das ist praktisch und spart Zeit. Schön wäre noch gewesen, wenn sich der Lautsprecher beim Einschalten mit den zwei oder sogar drei zuletzt verbundenen Geräten verbindet, so wie es etwa der Bose SoundLink Revolve+ tut.

Im Vergleich zum Vorgänger ist nun zwar eine Multipairing Funktion vorhanden. Diese muss jedoch umständlich über die „Boom“ App am Smartphone aktiviert werden. Im Test war es nicht möglich, den Lautsprecher mit zwei Musikzuspielern gleichzeitig zu verbinden. Das hätte man durchaus besser machen können. Bei den meisten zeitgemäßen Lautsprechern reicht ein einfaches Pausieren der Musik aus – und schon kann ein anderer Zuspieler übernehmen. Da ich selbst häufig zwischen der Musikwiedergabe von Smartphone zu Laptop wechsle, finde ich dieses Feature überaus nützlich. Auch bei der kleinen Feier mit Freunden können so kinderleicht verschiedene Leute DJ spielen und ihr Lieblings-Playlist zum Besten geben.

Erfreulich ist die Stereo-Pairing Funktion. Mithilfe der kostenlos verfügbaren „Boom“ App lassen sich über den „Party-Modus“ bis zu 150 UE Boom und Megaboom Lautsprecher zu einer Stereo- bzw. Surround Einheit zusammen schließen. Das hat im Test (zusammen mit der kleineren UE Boom 3) reibungslos funktioniert. Es entsteht eine echte Stereo-Bühne mit schöner Stereo-Separierung. Einige Patzer hatte das Ganze allerdings: So waren im Test immer wieder Störgeräusche zu hören, die fas sekündlich aufgetreten sind. Auch ein erneutes Koppeln konnte das Problem nicht beseitigen. Ich hoffe, dass UE hier durch ein zukünftiges Update nachhelfen wird. Generell ist die Anschaffung von zwei UE Megaboom 3 Lautsprechern gut zu überlegen, schließlich bekommt man für das gleiche Geld schon zwei ordentliche Regallautsprecher.

Bedienung

Wie bereits bei den Vorgängermodellen verwendet Ultimate Ears bei der UE Megaboom 3 verschiedene Trommeltöne. Ich persönlich empfinde die Signaltöne als etwas nervig, insbesondere da die zuletzt eingestellte Lautstärke für die Wiedergabe verwendet wird. Da kann es schon mal laut werden. Dezente Piepstöne wie bei Bose oder JBL hätte ich hier bevorzugt. Immerhin können die Signaltöne über die „Boom“ App deaktiviert werden.

Auch ein Sprachassistent ist mit an Bord: Möchte man durch Drücken des „Magic Button“ auf eine Playlist zugreifen, so ertönt eine weibliche Stimme „Please make sure your App is running and can access the internet“.  Für andere Funktionen kommt die Stimme nicht zur Verwendung. Schade eigentlich. So hätte man wie bei den Bose SoundLink Revolve Modellen bei erfolgreicher Bluetooth-Kopplung oder dem Ein/Ausschalten von Funktionen Sprachansagen verwenden können. 

An der Seite ist hinter einer Gummikappe die Micro-USB Buchse zum Laden des Geräts versteckt. Das hindert das Eindringen von Schmutz und Wasser.

Die Bedienoberfläche fällt spartanisch aus. An der Oberseite sich lediglich drei Tasten angebracht: Die Ein-/Ausschalttaste, die „Magic Button“ Taste,  und die Bluetooth-Taste. Auf Spielereien wie eine „Bass-Boost“ oder AUX-Taste verzichtet der Hersteller. An der Seite finden sich die übergroßen Plus- und Minustasten für das Justieren der Lautstärke. In der Praxis waren diese allerdings schwer zu betätigen, da man die Tasten exakt im Zentrum, und nicht einfach an jeder beliebigen Stelle, hinunter drücken muss. Besonders in dunkeln Umgebungen ist das eher suboptimal.

Über die „Magic Button“ Taste ist die Titelsteuerung am Lautsprecher möglich. Einmaliges Drucken pausiert Musik bzw. setzt diese fort. Mit zweimaligem Drücken springt man zum nächsten Song. Mit dreimaligem Drücken gelangt man zum vorherigen Lied. Darüber hinaus kann der Magic Button für das Zugreifen auf Playlists von ausgewählten Musik-Streaming-Diensten wie Deezer oder Spotify verwendet werden. Damit diese Funktion nutzbar wird, muss sie erst in der „Boom & Megaboom“ App eingerichtet werden. Ich persönlich erachte diese Funktion als etwas überflüssig.

Ein nettes Gimmick ist die „Aus der Ferne Einschalten“ Funktion in der „Boom & Wonderboom“ App. Selbst wenn der Lautsprecher nicht eingeschaltet ist und keine der weißen LED-Leuchten blinkt, kann man ihn aus der Ferne einschalten. Das ist durchaus praktisch, hat aber sicherlich auch Auswirkungen auf die Akkulaufzeit. Als Freisprechfunktion kann die UE Megaboom 3 nicht dienen.

Akkulaufzeit/Reichweite

Die Akkulaufzeit ist ja immer wieder ein heikles Thema. Teilweise sind Herstellerangaben maßlos übertrieben, andere Male geht dem Lautsprecher nach wenigen Minuten bei voller Lautstärke die Puste aus. Umso neugieriger war ich, die Akkulaufzeit der UE Megaboom 3 auszutesten. Der Hersteller betitelt diese mit  Akkulaufzeit 20 Stunden und fügt mit Sternen hinzu „Die tatsächliche Akkulaufzeit variiert je nach Nutzung des Geräts, den Einstellungen und Umgebungsbedingungen.“

Im Test kam ich bei ca. 1/3 der maximalen Lautstärke gerade einmal auf einen Wert von 13 Stunden. Bei maximaler Lautstärke waren es gerade einmal 3:35 Stunden. Wie es zu der großen Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis kommt, kann ich nicht ganz nachvollziehen – jedoch konnte ich auf verschiedenen Internetportalen von ähnlich geringen Spielzeiten lesen. 13 Stunden sind zwar kein schlechter Wert im Vergleich zur Konkurrenz, aber der Wert weicht eben deutlich von den Herstellerangaben ab. Zum Aufladen kann die zusätzlich erworbene Ladeschale verwendet werden. 

Die Bluetooth-Reichweite liegt laut Hersteller bei 45 Metern im Freien, was ich im Test bestätigen konnte. Erst ab ca. 50 Metern geriet die Verbindung ins Stocken. Im Haus war die Verbindung auch durch zwei 35cm dicke Steinwände hindurch stabil und unterbrechungsfrei. 

Fazit

Insgesamt hat die UE Megaboom 3 einige nette Features wie das Einschalten per App, Stereo-Pairing, eine synchronisierte Lautstärke, eine Weckfunktion etc. im Petto. Auch das robuste Gehäuse mit dem stylischen Stoffüberzug kann überzeugen – man kann die Box praktisch bei Wind und Wetter mit nach draußen nehmen ohne sich Sorgen machen zu müssen.

All das kann aber nicht über den dürftigen Klang hinwegtäuschen. Den zahlreichen positiven Rezensionen auf diversen Audio-Portalen und Online-Shops kann ich mich nicht anschließen. Dafür lässt der Sound einfach zu viel zu wünschen übrig. Es scheint, als sei die Megaboom für maximale Lautstärke statt maximaler Klangqualität entwickelt worden, was ich sehr schade finde. Lieber verzichte ich auf ein paar Dezibel Lautstärke und erhalte dafür natürlichen, kraftvollen Klang bei allen wichtigen Lautstärkeniveaus. Der Megaboom 3 fehlt im unteren Frequenzbereich einfach der nötige Tiefgang und Musik klingt mit dem betonten Oberbass hohl und kraftlos. Hier haben selbst deutlich günstigere Lautsprecher wie der JBL Flip 5 oder SoundLink Revolve die Nase vorn.

Insbesondere bei leisen Lautstärken macht das Musik hören mit der Megaboom 3 keinen Spaß. Hier hätte man die Bässe ein wenig anheben sollen. Bei hohen Lautstärken klingt die Megaboom dann einfach wieder zu angestrengt. Für einen Preis von rund 200 Euro hätte ich mir eine deutlich bessere Klangabstimmung erhofft.

Deutlich besseren Klang bieten in dieser Größenklasse der Bose SoundLink Revolve+, der echten 360°-Klang bietet und mit erstaunlich kräftigen Bässen daher spielt. Auch der ähnlich schwere Anker SoundCore Motion+ kommt mit House-Kicks und lauten Bässen deutlich besser zurecht. 

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  1. Krizzy

    Wirklich enttäuschend dass Logitech hier nicht mehr am Klang verbessert hat. Hätte mir das Teil sonst wohl zugelegt. Mometan bekommt man die Box für u die 140€.


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