UE Boom 3 im ausführlichen Praxistest: Das gelungene Update?

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Im Mai 2013 brachte der kalifornische Audio-Hersteller Ultimate Ears seinen ersten Bluetooth Lautsprecher, den UE Boom, auf den Markt. Dank des kompakten, stylischen Designs und einem ausgetüfteltem Marketing erfreute sich der Speaker innerhalb kürzester Zeit großer Beliebtheit.

Ich selbst konnte den Hype allerdings nicht ganz nachvollziehen: Verglichen mit anderen Lautsprechern derselben Größen- und Preisklasse war der Klang bestenfalls durchschnittlich. Das Bassfundament war kaum vorhanden. Die Höhen klangen schrill und dumpf. Von wahrem 360° konnte keine Rede sein – der Klang ertönte etwas hohl, wenn die Hochtöner nicht direkt auf den Hörer ausgerichtet waren.

Im September 2015 erschien dann die zweite Version des populären Speakers, die UE Boom 2. Die Hoffnung war groß, dass Ultimate Ears nachgebessert hatte und endlich waschechten Rundum-Klang mit kräftigen Bässen lieferte. Doch das Ergebnis war ernüchternd: Es hatte sich kaum etwas am Klang geändert. Der betonte Oberbass mit den den schrillen Höhen war nach wie vor vorhanden.

Vor wenigen Tagen hat UE dann die neueste, dritte Version des portablen Speakers vorgestellt. Laut Webseite soll der Neue „ausgewogenen 360° Klang und Satte Bässe“ ausstrahlen, wasserdicht und sturzfest sein, und zahlreiche neue Funktionen mit an Bord haben. Darüber hinaus ist das Gehäuse ein wenig voluminöser als beim Vorgänger. Auf zahlreichen großen Audio-Magazinen und Online-Publikationen ist von „großem Klang für’s kleine Geld“ die Rede. Doch ich war skeptisch. Schließlich hatte der Hersteller in den letzten Jahren immer wieder hinsichtlich Klang und Ausstattung enttäuscht. 

Doch die Hoffnung bestand, dass Ultimate Ears seiner Technik nun endlich ein ernsthaftes Update verpasst hat und seine Marketing-Slogans gerecht würde. Ein ausführlicher Praxistest sollte Klarheit schaffen, und so habe ich mir die kleine Box nach Hause bestellt und über mehrere Tage mit Konkurrenzmodellen wie dem JBL Flip 5 oder der Bose SoundLink Revolve verglichen. 

Ersteindruck/Design

Die neue UE Boom 3 hebt sich nur geringfügig vom Vorgänger ab. Der ikonische Gummistreifen, auf welchem die großen Plus- und Minusknöpfe angebracht waren, wurde merkbar verschmälert und auf die Rückseite verbannt. Stattdessen sind die Tasten nun direkt auf der Stoffummantelung an der Vorderseite fixiert. Damit soll der 360°-Sound nun noch überzeugender klingen.

Auch an der Oberseite gibt es Neuerungen. Die zuvor lediglich zum Ein- und Ausschalten verwendete Taste wurde in einen „Magic Button“ verwandelt, welcher unter Anderem das Abspielen, Anhalten und Überspringen von Musiktiteln ermöglicht. 

Auch hat der Hersteller nun eine Art „Schlaufe“ an der Oberseite angebracht, die wohl zum Befestigen der Box an Gegenständen oder Rucksäcken mithilfe eines Karabiners gedacht ist.

Wie bereits die beiden Vorgänger ist das Gehäuse mit einem zweifarbigen Performance-Gewebe überzogen, welches laut Hersteller ursprünglich bei Motorradjacken und Brandschutzkleidung zum Einsatz kommt. Der spezielle Färbeprozess verleiht dem Speaker seinen Hochglanzeffekt mit den zahlreichen Farbmustern.

Die UE Boom 3 ist für den hartgesottenen Outdoor-Einsatz konzipiert. Mit einem Wasserschutz nach Schutzklasse IP67 kann der Lautsprecher für bis zu 30 Minuten ins Wasser eingetaucht werden – dabei schwimmt er an der Wasseroberfläche. Ideal, um die Box auch mal mit auf den See oder das verregnete Festival zu nehmen. Die innere Elektronik ist darauf ausgelegt, auch Stöße und Stürze problemlos zu überstehen. Im Test konnte sich dies bestätigen. 

Besonders in Sachen Portabilität kann die UE Boom 3 punkten. Mit einer Höhe von nur 18 Zentimetern und einem Gewicht von 600 Gramm passt sie problemlos in eine Jackentasche und kann mal schnell in den Rucksack geschmissen werden. Noch mehr Portabilität bietet Ultimate Ears mit der kleineren Wonderboom 2. 

Ärgerlich ist, dass UE nur ein Mikro-USB Kabel in den Lieferumfang legt. So muss ich die Box umständlich über eine USB-Buchse am Laptop aufladen und eine deutlich längere Ladezeit in Kauf nehmen. Das hätte man für den Preis von rund 150€ problemlos noch ins Paket mit legen können. Für die zusätzlich erhältliche Ladeschale muss man mit 39€ tief in die Tasche greifen.

Erhältlich ist der Speaker in so ziemlich jeder erdenklichen Farbe.

Klangqualität

Am meisten hat mich natürlich die Klangqualität interessiert. Die große Frage war, ob Ultimate Ears den Klang ernsthaft überarbeitet hat oder wieder nur oberflächliche Produktpflege betreibt. Ich war mir nicht sicher, da bereits das größere Gehäuse auf reiferen Klang schließen ließ.

Doch bereits beim ersten Probehören wird klar, dass Ultimate Ears die Kritik seiner Nutzer nicht ernst genommen hat. Die Bässe sind ähnlich flach und kraftlos wie bereits bei der alten UE Boom 2. Die Höhen wirken blechern und Musik klingt, als wäre sie im Gehäuse gefangen. Klare Gitarrenklänge oder Stimmen kommen nicht zur Geltung.

Der Speaker spielt zwar lauter als die meisten anderen Bluetooth-Lautsprecher in seiner Klasse. Jedoch ist Musik bei maximaler Lautstärke aufgrund der Bassreduzierung und dynamischen Komprimierung ungenießbar. Lieder klingen ohne das essentielle Bassfundamet angestrengt und unnatürlich. Selbst mit dem gesonderten Equalizer in der „UE Boom“ App, und vollen Bass-Settings lässt sich hier nichts machen. Die Frequenzbänder lassen sich leider nur viel zu grob einstellen.

Auch der 360° Klang kann den großen Versprechungen nicht standhalten: Trotz des schmaleren, vertikalen Gummistreifens an der Seite sind bei verändertem Hörwinkel deutliche Frequenzabfälle und Sweetspots wahrzunehmen. Musik klingt deutlich dumpfer wenn die Hochtöner nicht direkt auf den Hörer ausgerichtet sind. Kein Vergleich zu den beiden Revolve Lautsprechern von Bose, die den Klang schön gleichmäßig in alle Richtungen abstrahlen.

Wirklich schade, dass Logitech hier nicht die nötigen Schritte unternommen hat, um den schicken Speaker auch im Innern zu überarbeiten. Es scheint als lege das Unternehmen mehr Wert auf ein schickes, hippes Design. Andere Lautsprecher in dieser Preis- und Größenklasse wie der JBL Flip 5, Denon Envaya 250 oder der Bose SoundLink Revolve klingen hier um Welten besser. Für den stolzen Preis von ca. 120€ hätte ich hier deutlich mehr erwartet. 

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Pairing

Das initiale Verbinden geht ohne Patzer vonstatten: Lautsprecher einschalten, „Boom 3“ im Bluetooth-Menü am Smartphone auswählen – und voilà. Schon steht die Verbindung. Mit einem etwas kurzen Trommelton wird das erfolgreiche Koppeln bestätigt.

Zukünftig verbindet sich der Speaker dann automatisch mit dem zuletzt verwendeten Zuspieler – vorausgesetzt, der Bluetooth-Modus ist am jeweiligen Endgerät bereits aktiviert. Das ist praktisch und spart Zeit. Schön wäre noch gewesen, wenn sich der Lautsprecher beim Einschalten mit den zwei oder sogar drei zuletzt verbundenen Geräten verbindet, so wie es etwa der Bose SoundLink Revolve tut.

Im Vergleich zum Vorgänger ist nun zwar eine Multipairing Funktion vorhanden. Diese muss jedoch umständlich über die „Boom“ App am Smartphone aktiviert werden. Im Test war es nicht möglich, den Lautsprecher mit zwei Musikzuspielern gleichzeitig zu verbinden. Das hätte man durchaus besser machen können. Bei den meisten zeitgemäßen Lautsprechern reicht ein einfaches Pausieren der Musik aus – und schon kann ein anderer Zuspieler übernehmen. Da ich selbst häufig zwischen der Musikwiedergabe von Smartphone zu Laptop wechsle, finde ich dieses Feature überaus nützlich. Auch bei der kleinen Feier mit Freunden können so kinderleicht verschiedene Leute DJ spielen und ihr Lieblings-Playlist zum Besten geben.

Erfreulich ist die Stereo-Pairing Funktion. Mithilfe der kostenlos verfügbaren „Boom“ App lassen sich über den „Party-Modus“ bis zu 150 UE Boom Lautsprecher zu einer Stereo-Einheit zusammen schließen. Das Koppeln hat im Test reibungslos funktioniert. Es entsteht eine echte Stereo-Bühne mit schöner Stereo-Separierung. Jedoch waren beim einem Speaker fast sekündlich Störgeräusche in Form von kurzem Rauschen zu hören. Das ist ärgerlich, besonders wenn man das Investment in zwei der UE Lautsprecher bereits getätigt hat.

Bedienung

Wie bereits bei den Vorgängermodellen verwendet Ultimate Ears bei der UE Boom 3 verschiedene Trommeltöne. Ich persönlich empfinde die Signaltöne als etwas nervig, insbesondere da die zuletzt eingestellte Lautstärke für die Wiedergabe verwendet wird. Da kann es schon mal laut werden. Dezente Piepstöne wie bei Bose oder JBL hätte ich hier bevorzugt. Immerhin können die Signaltöne über die „Boom & Megaboom“ App deaktiviert werden.

Auch ein Sprachassistent ist mit an Bord: Möchte man durch Drücken des „Magic Button“ auf eine Playlist zugreifen, so ertönt eine weibliche Stimme „Please make sure your App is running and can access the internet“.  Für andere Funktionen kommt die Stimme nicht zur Verwendung. Schade eigentlich. So hätte man wie bei den Bose SoundLink Revolve Modellen bei erfolgreicher Bluetooth-Kopplung oder dem Ein/Ausschalten von Funktionen Sprachansagen verwenden können. 

An der Seite ist hinter einer Gummikappe die Micro-USB Buchse zum Laden des Geräts versteckt.

Die Bedienoberfläche fällt spartanisch aus. An der Oberseite sich lediglich drei Tasten angebracht: Die Ein-/Ausschalttaste, die „Magic Button“ Taste,  und die Bluetooth-Taste. Auf Spielereien wie eine „Bass-Boost“ oder AUX-Taste verzichtet der Hersteller. An der Seite finden sich die übergroßen Plus- und Minustasten für das Justieren der Lautstärke. In der Praxis waren diese allerdings schwer zu betätigen, da man die Tasten exakt im Zentrum, und nicht einfach an jeder beliebigen Stelle, hinunter drücken muss. Besonders in dunkeln Umgebungen ist das eher suboptimal.

Über die „Magic Button“ Taste ist die Titelsteuerung am Lautsprecher möglich. Einmaliges Drucken pausiert Musik bzw. setzt diese fort. Mit zweimaligem Drücken springt man zum nächsten Song. Mit dreimaligem Drücken gelangt man zum vorherigen Lied. Darüber hinaus kann der Magic Button für das Zugreifen auf Playlists von ausgewählten Musik-Streaming-Diensten wie Deezer oder Spotify verwendet werden. Damit diese Funktion nutzbar wird, muss sie erst in der „Boom & Megaboom“ App eingerichtet werden. Ich persönlich erachte diese Funktion als etwas überflüssig.

Ein nettes Gimmick ist das „Aus der Ferne Einschalten“ des Lautsprechers über die „Boom & Wonderboom“ App. Selbst wenn der Lautsprecher nicht eingeschaltet ist und keine der weißen LED-Leuchten blinkt, kann man ihn aus der Ferne einschalten. Das ist durchaus praktisch, hat aber sicherlich auch Auswirkungen auf die Akkulaufzeit des Speakers. Als Freisprechfunktion kann die UE Boom 3 nicht dienen.

Akkulaufzeit/Reichweite

Die Akkulaufzeit betitelt Ultimate Ears mit 15 Stunden und fügt mit Sternen hinzu „Die tatsächliche Akkulaufzeit variiert je nach Nutzung des Geräts, den Einstellungen und Umgebungsbedingungen.“

Im Test kam ich bei ca. 1/3 der maximalen Lautstärke gerade einmal auf einen Wert von 9 Stunden. Bei maximaler Lautstärke waren es gerade einmal 1:55 Stunden. Wie es zu der großen Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis kommt, kann ich nicht ganz nachvollziehen – jedoch konnte ich auf verschiedenen Testportalen von ähnlich geringen Spielzeiten lesen. 9 Stunden sind zwar kein schlechter Wert im Vergleich zur Konkurrenz, aber eben auch keine technischen Spitzenwerte. 

Der Ladzeit wird über ein USB Kabel wird vom Hersteller nicht beziffert. Jedoch schätze ich diese auf ca. 5-6 Stunden, während die Ladezeit über die zusätzlich erworbene Ladeschale deutlich schneller vonstatten gehen sollte.

Die Bluetooth-Reichweite liegt laut Hersteller bei 45 Metern im Freien, was ich im Test bestätigen konnte. Im Haus war die Verbindung auch durch zwei 35cm dicke Steinwände hindurch stabil und ohne Unterbrechungen. 

Fazit

Mein Urteil zur UE Boom 3 fällt eher mäßig aus. Das Gehäuse wirkt zwar nun noch stylischer und Outdoor-tauglicher wie beim Vorgänger, jedoch hat Ultimate Ears kaum Verbesserungen in Sachen Klang (der wohl wichtigsten Disziplin eines Bluetooth-Lautsprechers) vorgenommen: Die Bässe sind nach wie vor flach und oberbetont, die Höhen unklar und dumpf. Der angepriesene Rundum-Klang kann aufgrund der Frequenzabfälle nicht als solcher bezeichnet werden. Konkurrenten wie der Bose SoundLink Revolve haben hier die Nase vor. Beim Stereo-Pairing mit der größeren UE Megaboom 3 kam es vermehr zu Störgeräuschen, die sich auch nach erneuten Verbinden nicht beheben ließen.

Auch die solide Bluetooth-Reichweite, praktischen Features und Stereo-Modus können die mangelnden, klanglichen Qualitäten des Speakers nicht wettmachen. Die angepriesenen Akkulaufzeiten sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Wer einen soliden Outdoor-tauglichen Lautsprecher sucht, der sollte sich lieber den JBL Charge 4 oder auch Bose SoundLink Revolve mit der entsprechenden Hülle ansehen.

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  1. Manuel

    Hallo,

    danke für den ehrlichen Testbericht. Das ist besser als alle möglichen Testberichte von vielen verschiedenen, schwer zu deutenden Fachgremien. Schreiben alle viel zu positiv über den Lautsprecher. Hatte das Teil im Saturn vor Ort gehört und war mal gar nicht angetan vom Klang. Habe mich dann für den Charge 4 entschieden.

    Grüße


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