Immer mehr Hersteller bringen Hosentaschen-taugliche Bluetooth Lautsprecher auf den Markt. Preislich liegen diese meist unter 50 Euro wiegen kaum mehr als 250 Gramm. Nun hat auch JBL mit einem ultraportablen Lautsprecher nachgelegt: dem JBL GO. Mit seinen kleinen Maßen muss er es mit den Konkurrenten TDK Micro, JBL Clip oder Logitech X100 aufnehmen. Ich habe mir die kleine Box einmal genauer angesehen und sie einem direkten Klangvergleich mit der größenmäßigen Konkurrenz unterzogen. Vor allem aber war ich gespannt, ob der Neue JBL GO auch den deutlich älteren JBL Clip ablösen würde.
Ersteindruck/Design
Der JBL GO gehört zu den leichtesten Bluetooth Lautsprechern, die ich bisher in Händen halten durfte. Das liegt am gummierten Kunststoff-Design, das weitestgehend auf Metall verzichtet – lediglich das Lautsprecher Gitter ist aus Aluminium gefertigt. Das Gehäuse macht einen robusten, wasserresistenten Eindruck, denn es sind weder große Spalte oder tief eingelassene Tasten zu sehen.
So kann man den Speaker auch problemlos mit zum See oder Picknick nehmen, ohne Angst haben zu müssen, dass die Box gleich hinüber ist. Selbst in der Hosentasche sollte der Lautsprecher mit einer Breite von ca. 2cm Platz finden. Von Premium-Design wie bei Bose oder Harman Kardon kann allerdings keine Rede sein, alleine schon aufgrund des unverhältnismäßig großen Logos auf Vorder- und Rückseite.
Besonderheit des JBL GO ist die längliche Öffnung an der linken Seite, die das Einfädeln von Bändern oder Schnüren erlaubt. Ähnlich wie beim Schwestermodell JBL Clip kann man den Lautsprecher so an einem Rucksack oder anderen Gegenständen befestigen. Allerdings liegt hier kein Karabiner oder Ähnliches bei. Wie wichtig das letztendlich ist, muss jeder selbst entscheiden.
Klangqualität
Die wohl wichtigste Eigenschaft bei kleinen Bluetooth Lautsprechern ist die Basswiedergabe. Denn die kleinen Klangboxen haben es aufgrund des winzigen Gehäusevolumens rein physikalisch gesehen schwer, wirklich vollen, voluminösen Klang zu erzeugen. Der wuchtige Klang deutlich größerer Boxen ist nicht zu erwarten, doch nach dünnen Smartphone Lautsprechern sollten die kleinen Speaker auch nicht klingen.
Beim ersten Probehören spielt der JBL GO Musik klar und präzise ab. Bei Deep-House oder Hip-Hop Musik zeigen sich dann allerdings einige Schwächen. Die Bässe kommen nicht an das Niveau des JBL Clip oder der Jabra Solemate Mini heran, dazu fehlt es ihnen an Volumen und Tiefe. Generell kann sich der Klang nicht von der preislichen Konkurrenz abheben. Überraschen konnte mich die Maximallautstärke, diese bewegt sich in etwa auf gleichem Niveau mit dem JBL Clip oder der Solemate Mini. Von Verzerrungen oder Kratzen ist keine Spur. Für Hintergrundmusik beim kleinen Zusammensein könnte das durchaus ausreichen.
Da die Hinterseite des JBL GO komplett verschlossen ist, strömt Musik nur in eine Richtung. Man sollte den GO deshalb optimalerweise an einer Wand auf der eine Seite des Raumes platzieren.
Der JBL GO klingt deutlich besser als meine Macbook Lautsprecher, an die Klangqualität mittelgroßer Lautsprecher wie Envaya Mini oder SoundLink Mini kommt der GO allerdings nicht ansatzweise heran. Das war zu erwarten. Wer sich ernsthaft überlegt, einen Bluetooth Lautsprecher für längere Reisen oder den jahrelangen Einsatz zuzulegen, dem würde ich den Griff zu einem Bluetooth Lautsprecher um die 100 Euro empfehlen.
Bedienung
Die Bedienung des JBL GO ist auf das Wesentliche reduziert. An der Oberseite kann man die Lautstärke regeln, das Gerät einschalten sowie den Pairing Modus aktivieren. Zusätzlich verfügt der Speaker über eine Freisprechfunktion, sodass man eingehende Telefonate entgegen nehmen kann. Ich persönlich finde diese Funktion überflüssig, da die Aktivierung meist sehr umständlich verläuft und die Sprachqualität in den meisten Fällen eher bescheiden ist. Aber das muss jeder selbst entscheiden.
Auf nervige Piepstöne oder quasselnde Stimmen verzichtet JBL – im Gegensatz zum größeren JBL Flip 2, der nach Aktivierung laute Signaltöne von sich gibt und potentielle Mitbewohner im Haus aufweckt. Nach dem Verbinden mit dem jeweiligen Musikzuspieler glimmt ein blaues Lichtchen unauffällig vor sich hin. So sollte das sein. Ebenfalls gut gelöst sind die Lautstärkeabstufungen. Mit rund 30 Leveln lässt sich die Lautstärke auch bei leiser Musik präzise einstellen.
An der Seite befinden sich die standardmäßigen Anschlüsse Micro-USB zum Laden sowie ein AUX-Eingang zum Verbinden von mobilen Musikgeräten mit dem Bluetooth Lautsprecher.
Pairing
Wie bei den meisten zeitgemäßen Bluetooth Lautsprechern gelingt das Pairing mühelos. Innerhalb weniger Sekunden war der Speaker mit meinem iPhone verbunden.
Schön wäre eine Funktion zum Verbinden von zwei kleinen JBL GOs zu einer Art Stereo-System gewesen. Auch eine Multi-Pairing Funktion, mithilfe derer sich mehrere Nutzer gleichzeitig mit dem Lautsprecher verbinden können, wäre erfreulich gewesen. Doch bei einem Preis von 30 Euro war das nicht zu erwarten. Auch auf sonstige Features wie aptX für eine schnellere Musikübertragung oder eine USB-Ladefunktion muss demnach verzichtet werden.
Reichweite/Akkulaufzeit
Als Akkulaufzeit gibt JBL rund 5 Stunden an. Im Test kam ich auf einen Wert von 4,5 Stunden bei 1/3 der Maximallautstärke. Nicht schlecht für einen Lautsprecher in dieser Größe. Bei maximaler Lautstärke ging dem Speaker dann allerdings schon nach einer Stunde die Puste aus. Das kann die Konkurrenz wie Jabra Solemate Mini oder UE Mini Boom besser. Wie oft man den Speaker allerdings auf volle Dränung stellt, sei einmal dahin gestellt. Die Reichweite ist Durchschnitt. Nach 15-20 Metern sind auf freier Strecke kurze Verbindungsabbrüche zu hören, ab 20 Meter bricht die Verbindung komplett ab. Für die meisten Einsatzgebiete wie Wohnzimmer, Terrasse oder kleines WG-Zimmer sollte das locker ausreichen.
Fazit
Mit dem JBL GO macht der Audiohersteller vieles richtig. Der Preis ist attraktiv, die Bedienung auf die Grundfunktionen beschränkt und die Akkulaufzeit geht mit 4,5 Stunden in Ordnung. Auch das robuste, leichte Design kann überzeugen und die Reichweite sollte mit rund 20 Metern für die meisten Einsatzbereiche ausreichen. Klanglich setzt der GO allerdings keine neuen Maßstäbe. Der bereits deutlich ältere JBL Clip spielt noch eine Stufe lauter und kann auch etwas druckvollere Bässe aufweisen. Auch die Jabra Mini Solemate übertrifft den GO klanglich. Wer also einen ultramobilen Lautsprecher sucht, der laut spielt und wenig Probleme macht, der sollte zum JBL GO greifen.
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