JBL Pulse 4 im Praxistest: Party-Lautsprecher mit Spitzenklang?

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Anfang 2014 hat JBL seinen ersten Party-Lautsprecher, den JBL Pulse, eingeführt. Mit den zahlreichen Lichteffekten war es der erste mobile Lautsprecher, der zusätzlich zur Musik noch eine Lichtershow bot und damit für Party-Atmosphäre sorgte. In den Folgejahren verpasste JBL dem portablen Lautsprecher dann immer wieder ein Update, bis nun schließlich Mitte 2019 die vierte Generation des Lautsprechers auf dem Markt erschien.

Mittlerweile haben auch andere Hersteller wie Anker mit dem SoundCore Flare oder Sony mit dem XB-31 leuchtende Party-Lautsprecher ins Produktportfolio aufgenommen, welche eine effektvolle Lichter-Show bieten –  Zeit also für JBL, auch sein Flagschiff auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Laut Webseite soll die neue Generation rund 12 Stunden Musikspielzeit bieten, spritzwassergeschützt sein und sich mit bis zu 100 andern JBL-Speakern verbinden lassen.

Klanglich konnte mich die dritte Generation des Lautsprechers nicht so ganz überzeugen. So war ich gespannt zu erfahren, wie es um die klanglichen Qualitäten des aktuellen Lautsprechers steht und wie er sich im Vergleich zu ähnlichen Modellen wie z.B. dem JBL Charge 4, Bose SoundLink Revolve oder auch dem Sony XB31 schlägt. So habe ich mir die Box nach Hause liefern lassen und einem ausführlichen Test unterzogen.

Ersteindruck/Design

Direkt nach dem Auspacken des Speakers ist klar: Das Design wurde grundlegend überarbeitet. War die Unterseite vorher von einer netzartigen Stoffummantelung überzogen, so ist dieser Bereich nun komplett verschwunden. Die Glasoberfläche reicht komplett über das ganze Gehäuse hinweg und wirkt so wie eine Lava-Lampe aus alten Zeiten. Das grelle, orangene JBL Logo schmückt weiterhin die Vorderseite des Lautsprechers.  Aufgrund der großen Design-Änderung sind die Tasten nun ringsum an der Oberseite angebracht. Der USB-Anschluss ist nun direkt ins Glas eingelassen.

Obwohl die Maße insgesamt etwas geschrumpft sind, bringt der Neue ganze 300 Gramm mehr auf die Waage – wodurch sich der Speaker in der Hand noch hochwertiger wie der Vorgänger anfühlt. Das Glas macht einen äußerst robusten Eindruck und wirkt, als würde es auch kleineren Stößen und Stürzen aus geringer Höhe standhalten. Austesten wollte ich das im Test allerdings nicht.

Wer an der Oberseite ein effektvoll schwingende Membran wie beim Schwestermodell Charge 4 oder Flip 5 erwartet, der wird enttäuscht werden. Der Hochtöner ist mit einem Metallgitter versehen, das den Speaker wohl vor äußeren Einflüssen schützen soll. Das ist praktisch. 

Jedoch verstehe ich nicht ganz warum JBL nicht auch an der Unterseite ein Gitter verbaut. 

Wie bereits der Vorgänger ist der Pulse 4 mit IPX7 Standard gegen zeitweiliges Untertauchen (1 Meter für bis zu 30 Minuten) geschützt. Damit muss man sich auch bei der kleinen Feier am See oder Pool keine Sorgen um mögliche Beschädigungen machen. Ins Wasser fallen lassen sollte man den Speaker allerdings nicht, da er nicht an der Oberfläche treibt. 

Klangqualität

Am meisten hat mich interessiert, ob der Pulse 4 außer der Lichtershow auch klanglich etwas zu bieten hat. Außerdem wollte ich wissen, wie sich der Klang im Vergleich zum Vorgänger oder auch dem ähnlich großen JBL Charge 4 verhält. Der Hersteller wirbt mit einem „raffinierten 360-Grad-Lautsprechersystem“. Von „erstklassigem Sound“ ist die Rede.

So habe ich den Speaker über mehrere Tage hinweg einem Klangtest unterzogen und ihn mit der unmittelbaren Konkurrenz verglichen.

Im direkten Vergleich mit dem Vorgänger sind deutliche Verbesserungen bei den Höhen wahrzunehmen. Musik klingt offener, räumlicher und klarer. Der Klang der alten Version klingt daneben fast ein wenig, als wäre er im Gehäuse gefangen. Das ist überraschend, schließlich ist der neue Pulse 4 nun komplett von einer Glaswand umgeben und kann den Klang nicht mehr nach vorne hin, sondern nur nach oben bzw. unten abstrahlen.

Die Bässe hingegen bewegen sich auf fast identischem Niveau wie beim Vorgänger Pulse 3. Die tiefen Töne spielen nicht ganz so tief hinab (bis ca. 70 Herz) wie beim alten Modell, sind dafür aber mindestens genauso kräftig. Dabei treten diese primär aus dem Passivradiator an der Gehäuseunterseite aus, während der 20 Watt starke Töner an der Oberseite hauptsächlich die Mitten und Höhen abspielt. Die Maximallautstärke ist bei beiden Modellen fast identisch.

Im direkten Vergleich mit dem Schwestermodell Charge 4 und ähnlich teuren Geräten wie z.B. dem Marshall Stockwell 2 oder auch dem Anker SoundCore Motion+ werden dann allerdings die Schwächen des Speakers deutlich. Aufgrund der Bauweise wirken Höhen weniger klar und die Bässe können bei höheren Laustärke-Level nicht mithalten. Dazu sind dem Pulse 4 aufgrund seiner Bauweise zu viele physikalische Beschränkungen gesetzt.

Dies ist aber auch nicht verwunderlich. Schließlich ist der Pulse 4 nicht auf maximalen Klang, sondern auf die effektvollste Party-Beleuchtung ausgelegt.

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Pairing

Das initiale Pairing ging im Test problemlos vonstatten: Lautsprecher einschalten, „JBL Pulse 4“ im Bluetooth-Menu des Smartphone auswählen und schon stand die Verbindung. Mit einem kurzen Piepton wird die erfolgreiche Verbindung bestätigt.

Positiv ist, dass sich der Pulse 4 beim zukünftigen Einschalten automatisch mit dem zuletzt verbundenen Zuspieler verbindet. Schön gewesen wäre noch, wenn sich der Speaker mit den zwei oder gar drei zuletzt verbundenen Geräten (z.B. Laptop, Tablet, Smartphone) automatisch verbindet. Das war im Test nicht der Fall. Bose hat dieses Feature bereits seit Längerem bei seinen SoundLink Modellen integriert.

Mithilfe der integrierten Multi-Pairing Funktion kann man in Sekundenschnelle zwischen zwei Musikzuspielern hin- und herschalten. Das ist praktisch: So muss man beispielsweise nicht erst das Smartphone entkoppeln, um daraufhin den Laptop mit dem Lautsprecher verbinden. Das Pausieren der Musik auf dem einen Zuspieler genügt, und schon kann der andere Zuspieler die Wiedergabe fortsetzen.

Auch praktisch ist, dass JBL eine Stereo-Pairing Funktion integriert hat. Damit lassen sich mithilfe der kostenlos verfügbaren „JBL Connect“ App bis zu 100 Lautsprecher zu einer Stereo- bzw. Surround-Einheit zusammen schließen. So kann man etwa eine kleinere Party mit Musik bespielen oder auch echten Stereo-Klang beim Filmschauen am Laptop erzeugen. Nötig ist dafür lediglich das „Party-Boost“ Feature. Dieses ist in allen aktuellen JBL Bluetooth-Lautsprechern verbaut (JBL Flip 5, JBL Xtreme 2, JBL Charge 4). 

Im Test ging das Koppeln zwar ohne grobe Patzer von der Hand. Allerdings nimmt das Stereo-Koppeln via App immer wieder einiges an Zeit in Anspruch. Hier muss der Nutzer letztlich selbst entscheiden ob nicht die Anschaffung zwei klassischer Stereo-Lautsprecher mehr Sinn ergibt.

Auf Technologien wie NFC oder AptX verzichtet der Hersteller.

Bedienung

Bei der Bedienung hebt sich der Pulse 4 von den anderen JBL Lautsprechern ab.

Da die Glasoberfläche die komplette Außenseite einnimmt, wurden die Tasten an den oberen Gehäuserand verbannt. Damit steht der effektvollen Lichtershow nichts im Wege. Lediglich am unteren Rand ragt die Mikro-USB Buchse sowie Akkuanzeige ein wenig ins die Glasfront hinauf. Warum JBL dieses Element nicht am unteren Gehäuserand positioniert, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Möglicherweise waren Platz und Sichtbarkeit hier zu sehr beschränkt.

An der Oberseite befindet sich die Ein- und Ausschalttaste sowie die standardmäßige Bluetooth-Taste. Diese sind jeweils mit einem eigenen Lichteffekt versehen: Beim Einschalten erscheint eine bunte Lichtsäule, die von unten nach oben steigt. Beim Aktivieren des Bluetooth-Modus kommt ein blaues Schimmern zum Vorschein.

Praktisch: Zwischen den beiden Lautstärketasten befindet sich die „Play-Taste“, die die Musiksteuerung direkt am Lautsprecher ermöglicht. Möchte man einen Track pausieren, so reicht das einmalige, kurze Drücken. Mit zweimaligem Drücken gelangt man zum nächsten Song, mit dreimaligem Drücken zum vorherigen Titel. Selbst beim Abspielen von YouTube-Videos hat das Feature reibungslos funktioniert.

Mithilfe der „Sonnen“ Taste können verschiedene Licht-Effekte ausgewählt werden. Diese reichen vom effektvollen Flackern bis hin zum langsamen Glühen ähnlich einer Lava-Lampe aus alten Zeiten. Sowohl Techno-Fans sowie Klassik-Enthusiasten sollten damit voll auf ihre Kosten kommen. Wem die vorgefertigten Lichteffekte nicht ausreichen, der kann über die JBL Connect App zwischen den Optionen „Spirituell“, „Lagerfeuer“, „Equalizer“ und „Welle“ auswählen. Wie bereits beim Vorgänger, kann man sich bei der Einstellung „Personalisiert“ sogar eine eigene Lichtershow zusammen stellen.

Die Lichtershow hat kein anderer Hersteller bisher so effektvoll umgesetzt. Hier ist JBL anderen Marken wie z.B. Anker (Anker SoundCore Flore) oder Sony (Sony BT-31) einen Schritt voraus.

Auch löblich ist die Abschaltfunktion, dank welcher sich der Lautsprecher nach einigen Minuten Inaktivität automatisch abschaltet. Schön gewesen wäre noch eine Freisprechfunktion zur Annahme von Anrufen oder auch ein Sprachassistent wie bei aktuellen Lautsprechern von Bose, wie etwas bei der Vorgängerversion der Fall war.

Akkulaufzeit/Reichweite

Bei der Akkulaufzeit stellt JBL große Versprechungen auf: Für bis zu 12 Stunden soll der Lithium-Ionen-Akku Musikgenuss und Lichterspiele ermöglichen, bis die weiße LED erlischt. Das wollte ich mir einmal genauer ansehen. Schließlich stellen Hersteller immer wieder utopische Behauptungen auf, die sich in der Realität nicht annähernd bewahrheiten.

Bei meinen Messungen kam ich im Test bei 50% der maximalen Lautstärke auf einen ordentlichen Wert von 9:50 Stunden. Das kommt der Herstellerangabe recht nahe und liegt im Spitzenbereich der mittelgroßen mobilen Lautsprecherboxen. Besonders wenn man die Wiedergabe der Lichteffekte in Betrachtung nimmt.

Ebenso wichtig ist die Akkuleistung bei maximaler Lautstärke. Besonders im Außenbereich verschlucken Umgebungsgeräusche leicht einige Dezibel. Damit man auch beim Sport am Fußballplatz oder der kleinen Feier am See einige Stunden Musikbeschallung hat, muss der portable Lautsprecher hier durchhalten.

Bei maximaler Lautstärke spielte der Pulse 4 Speaker Musik für ganze 3:45 Stunden und hat hier der Konkurrenz die Nase vorn. Selbst größeren Boxen wie der UE Megaboom oder dem Beoplay A2 gingen bereits nach knapp 2,5 Stunden die Puste aus.

Geladen wird der Pulse 4 über das mitgelieferte USB-Ladekabel. Leider ist kein Netzstecker im Lieferumfang enthalten, so muss der Kunden die Box möglicherweise über den USB-Ausgang am Laptop laden und eine deutlich längere Ladezeit in Kauf nehmen. Das hätte man für den Preis um knapp 200€ noch in den Lieferumfang mit aufnehmen können.

Bei der Bluetooth-Reichweite kann JBL überzeugen. Das Bluetooth-Modul ermöglichte im Test die stabile Musikwiedergabe durch zwei 20cm-dicke Steinwände hindurch. Der Pulse 4 spielte völlig unbeirrt weiter als ich mich vom einen Zimmer ins nächste Zimmer bewegte. Erst bei der dritten Wand brach die Verbindung ab. Auf freier Strecke im Außenbereich blieb die Verbindung bis ca. 30 Meter Entfernung bestehen. 

Fazit

Der JBL Pulse 4 kann mit seiner beeindruckenden Lichtershow, dem stylischen Gehäuse und einer langen Akkulaufzeit überzeugen. Auch bei der Klangqualität sind Verbesserungen zum Vorgänger wahrzunehmen – wenngleich es diese nicht mit der ähnlich teurer Bluetooth-Boxen aufnehmen kann. Dies ist in erster Linie der Bauweise geschuldet, aufgrund welcher der Speaker Klang nur nach oben- bzw. untenhin abstrahlen kann. Nichtsdestotrotz liefert der Pulse 4 bassreiche, klare Klänge in alle Richtungen. Insgesamt ist der JBL Pulse 4 nicht auf maximalen Klang, sonder auf eine beeindruckende Lichtershow ausgelegt.

Die Bedienung ist mit den Bedienelementen am oberen Gehäuserand etwas gewöhnungsbedürftig, erfüllt allerdings ihren Zweck. Gut gefällt dabei die Möglichkeit, die Musikwiedergabe direkt am Lautsprecher steuern zu können. Auch die Option, über die Sonnentaste sowie JBL Connect App verschiedene Lichteffekte einstellen zu können ist praktisch.

Auch in Sachen Pairing macht JBL alles richtig: Neben der standardmäßigen Pairing-Funktion hat JBL eine Multi-Pairing sowie Stereo-Pairing Funktion integriert, die das Zusammenschließen von bis zu 100 Lautsprechern ermöglicht. Die Bluetooth-Reichweite und Akkulaufzeit bewegen sich ebenfalls auf einem hohen Niveau.

Insgesamt ist der JBL Pulse 4 allen zu empfehlen, die einen Bluetooth-Lautsprecher für die Beschallung kleinerer Veranstaltungen benötigen. Hierzu macht der Pulse 4 derzeit die beste Figur unter allen LED-Party Lautsprecher der portablen Klasse. Wer auf maximale Klangqualität Wert legt, der sollte sich die ähnlich teuren Modelle Marshall Stockwell 2, Bose SoundLink Revolve oder auch Anker SoundCore Motion+ genauer ansehen.

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  1. Peter

    Hallo,

    das war auch mein Eindruck. Hatte die beiden Speaker im Elektronikgeschäft vor einigen Wochen nebeneinander Probegehört. Fand die Lichtershow beim Pulse 4 aber deutlich ansprechender, hatte mich daher für die neuere Version entschieden.

    • Philipp

      Hallo Kev, ja, dies ist möglich. Dazu musst du einfach nur die App herunterladen. Dort kannst du es in den Einstellungen ändern. Hoffe das hilft. Grüße

  2. LEO

    Hallo,

    Ich Hätte den pulse 3 und war schon sehr begeistert von ihm. Der ist mir aber leider durch einen Sturz kaputt gegangen und ich suche jetzt Ersatz. Mein Favorit war eigentlich der Sony BT31, aber nach deinem Bericht bin ich mir unsicher. Bietet der 4er außer bei Lichteffekten und Powerbank-Funktion sonst noch irgendwelche nennenswerten Vorteile? Ich tendiere zum neuen Pulse 4…

    • Philipp

      Hallo Leo, ich kann vom Sony BT31 eher abraten und würde eher zum Pulse 4 greifen. Die Lichteffekte und Klang ist deutlich eindrucksvoller. Grüße

  3. Benjamin

    Hallo,

    super Review, mach weiter so!
    Super detailliert und verständlich geschrieben.

    Ich würde nur nochmal 2 kleine Kommentare zu deiner Review dazugeben.

    Leider befindet sich die JBL Xtreme 2 nicht, wie die Pulse 4, im Partyboost, sondern im Connect+ Netzwerk, was leider eine Kopplung zwischen den beiden nicht möglich macht.

    Zu der Platzierung des Mesh-Gitters, welches nur an der oberen Seite stattfand würde mir nur einfallen, dass der Schutz der dünnen Membran des Treibers im Vordergrund stand.
    Die Unterseite des Lautsprechers ist mit einer dicken Membrane ausgestattet, welche ein Drücken oder leichten schnitten besser standhält.

    Habe mir die Box jetzt auch geholt und freue mich schon auf das Partyfeeling.

    Gruß


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