Bose SoundLink Micro im ausführlichen Praxistest

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Am 7 September 2017 hat Bose seinen bisher kleinsten und Outdoor-tauglichsten Bluetooth-Lautsprecher vorgestellt: Den Bose SoundLink Micro. Andere Hersteller wie JBL mit dem Clip 2 oder auch Logitech mit der UE Roll hatten bereits seit längerer Zeit kleine, robuste Bluetooth-Lautsprecher am Markt. Nun hat Bose nachgezogen. Die gerade mal 290 Gramm schwere Klangbox passt problemlos in eine Jackentasche, ist mit Standard IPX7 wasserdicht und eignet sich damit für alle erdenklichen Outdoor-Aktivitäten wie Radfahren, Kajaken, Snowboarden oder Wandern.

Trotz seiner kompakten Maße soll der Lautsprecher großen Klang liefern. In den letzten Monaten konnte ich bereits zahlreiche der kleinen Klangwürfel wie den Clip 2, UE Roll 2 oder auch den Anker SoundCore Motion testen, doch bisher waren die kleinen Boxen im Segment der Unter-0.5Kg-Speaker wenig überzeugend. Ich war gespannt, ob Bose das besser machen würde – schließlich hat der amerikanische Hersteller mit dem SoundLink Mini bereits vor Jahren gezeigt, was in solch kleinem Format an Klang möglich ist. Ich wollte es heraus finden und habe mir den winzigen Speaker direkt von der Webseite bestellt.

Design/Ersteindruck

Was als allererstes in Auge sticht, ist das gummierte Äußere. Im Gegensatz zu anderen Herstellern, die auf eine Maschen-artige Stoffummantelung setzen, geht Bose hier andere Wege und verleiht dem Speaker ähnlich wie beim Bose SoundLink Color 2 eine schicke Silikonkautschuk-Ummantelung. Ich persönlich bevorzuge das, da sich in der Vergangenheit in den netzartigen Materialien immer wieder Schmutz angesammelt hat. Einzig nachteilig ist, dass sich in der Praxis immer wieder Staub auf dem Silikon-Kautschuk abgesetzt hat.

Ebenfalls auffällig ist das an der Rückseite fixierte Halteband aus reißfestem Silikon, mit welchem sich der Speaker an Stangen, Fahrradlenkern oder Türgriffen befestigen lässt. Ich selbst konnte die Funktion beim Snowboarden austesten, wo ich den Speaker am Schultergurt meines Rucksacks befestigt habe. Die anfänglichen Bedenken, dass sich der Speaker möglicherweise lösen könnte waren zu Unrecht und das Band hielt durch den kleinen Metallhaken problemlos am Rucksackriemen. Das Gummiband verfügt genau über die richtige Elastizität, um stramm an Gegenständen angebracht zu werden, aber trotzdem auch an dickeren Stangen befestigt werden zu können.

Ein weiterer Vorteil der Beschichtung aus Silikonkautschuk ist die Stoßfestigkeit: Ich hatte im Test das Gefühl, als könne der Speaker auch kleinere Stürze aus Hüfthöhe ohne großen Schaden überstehen. Laut Bose wurde wohl auch die innere Technik so konzipiert, dass es auch bei Stößen und kleineren Stürzen nur schwer zu Beschädigungen an der Elektronik kommt. Austesten wollte ich dies nicht.

Die Wasserbeständigkeit wollte ich jedoch genauer untersuchen: Schließlich werben Hersteller heutzutage mit allerlei Slogans und Versprechen, die in der Praxis dann deutlich anders aussehen (Stichwort Akkulaufzeit). Laut Webseite ist der kleine Klangwürfel nach IPX7 wasserschützt. Das ist nicht verwunderlich, sind die Hersteller selbst für die Einstufungen verantwortlich – eine unabhängige Prüfung findet nicht statt. Im Zweifelsfall tendiere ich daher immer zur Vorsicht.

So kommt es immer wieder zu Unklarheiten, was IPX7 denn genau bedeutet. IPX7- Schutz ist so definiert, dass ein Speaker zeitweiliges Untertauchen aushalten, dauerhaften Kontakt mit Wasser verträgt ein Elektronikgerät allerdings erst mit Schutzklasse 8. Konkret: „Schutz gegen Eindringen von Wasser beim kompletten eintauchen für begrenzte Zeit (1 Meter tief für 30 Minuten)“. Den SoundLink Micro kann man so auch mit unter die Dusche nehmen, sollte das gewünscht sein;) Vor längeren Party-Eskapaden im Pool würde ich den Speaker allerdings eher verschonen.

Dank der kompakten Maße passt der SoundLink Micro ohne Probleme in eine gewöhnliche Jackentasche, sogar in eine Jeans-Hosentasche sollte man den Speaker bekommen. So kann man den Speaker nicht nur im hartgesottenen Outdoor-Einsatz einsetzen, sondern auch für’s spontane Mitnehmen zum Abhängen mit Freunden eignet sich den Speaker.

Dank zahlreicher Farben kommt hier jeder auf seinen Geschmack.

 

Klangqualität

Aber genug zu den Äußerlichkeiten des Speakers. Am allermeisten hat mich natürlich der Klang des winzigen Speakers interessiert. Nachdem ich über die letzten Jahre zahlreiche Speaker in ähnlichem Größenformat testen durfte, war meine Erwartungshaltung eher ernüchternd. Schließlich hatte es bisher kein Hersteller geschafft, wirklich ernst zu nehmenden Klang in solch ein mickriges Format zu packen. Doch ein wenig Hoffnung hatte ich – schließlich hat Bose sich über die Jahre den Ruf erarbeitet, mit seinen Bluetooth-Lautsprecher die Grenzen des Möglichen zu sprengen und so war bereits der 2013 erschienene Bose SoundLink Mini eine Revolution am Lautsprecher-Markt, sodass der Speaker bereits beim ersten Hören mit seinen tiefen Bässen einen gewissen Wow-Effekt hervorzurufen vermochte. Auch die erst kürzlich getesteten SoundLink Revolve Modelle waren insofern revolutionär, dass sie wahrhaftigen 360° Klang im Raum verstrahlen, was man etwa von den UE Boom Modellen von Logitech oder dem Beoplay A2 nicht behaupten konnte.

Nun aber zum ersten Probehören: So schaltete ich den Speaker an und habe den Mikro mit meinem Smartphone. Und bereits nach wenigen Sekunden Probehören wird klar: Bose hat es erneut geschafft, die Grenzen der Technik zu sprengen. Der Klang wirkt für einen Speaker im Miniformat erstaunlich reif und stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. Bässe dringen mit Tiefe und Natürlichkeit ans Ohr, ohne dabei aufdringlich oder unnatürlich zu wirken. Das bisher kein Lautsprecher in dieser Größenordnung geschafft. Wirklich klasse! Die Behauptung Boses „Den besten Sound unter den Lautsprechern seiner Klasse“ ist somit in keinster Weise übertrieben. Möglich ist das laut Hersteller durch einen „Eigens entwickelten Schallwandler und Passivstrahlern aus Silikon“.

Die Klangsignatur ist wie gewohnt für Bose-Geräte: Die Bässe sind kräftig und weich, die Mitten leicht zurückhaltend und die Höhen natürlich. Klar, audiophilen Spitzenklang kann man hier erwarten – aber dafür ist der Speaker auch nicht konzipiert. Schließlich soll der Speaker mit seiner Kompaktheit und Outdoor-Eigenschaften für den Klang unterwegs und Abenteuer geschaffen. Möchte man glasklaren Klang mit differenzierten Gitarrenklängen, Klaviertönen oder feinen Basedrums, so sollte man weitersehen.

Erfreulich ist, dass der Klang auch über die verschiedenen Lautstärkelevel hinweg ausgeglichen ist. Will man etwa die Lautstärke auf niedrigerem Level genießen – ist man etwa beim Wandern in der Natur oder beim Liften im Skilift – so kann man dies ohne Einschränkungen tun. Flüstern andere Lautsprecher bei geringer Lautstärke nur noch ohne jegliches Bassfundament vor sich hin, ist dies beim SoundLin Micro nicht der Fall. Auch bei geringer Lautstärke spielen die Bässe tief und natürlich, sodass das Musikhören noch Spaßmacht.

Auch im oberen Lautstärkebereich kann der kleine Speaker überzeugen: Erst ab ca. 70% der maximalen Lautstärke werden die Bässe merklich zurückgeschraubt, sodass man selbst mit der kleinen Box problemlos auch bei höheren Lautstärken Musik noch genießen kann. Sollte der Gegenwind beim Snowboarden oder Mountainbike etwa einmal stärken sein, kann man hier problemlos entgegen wirken.

Auf Rundum-Klang wie bei den SoundLink Revolve Modellen muss man beim SoundLink Mikro verzichten. Doch das lässt sich aufgrund der Einsatzweise verzeihen – schließlich wird der Speaker ohnehin an Gegenständen wie Türgriff, Rucksackriemen oder Stangen befestigt, die die Klangabstrahlung in einer Richtung behindern. Die Konstruktionsweise macht daher Sinn. Nichtsdestotrotz befindet sich an der Rückseite ein Gitter, wodurch der Klang austreten kann, sodass der Klang nicht zu eingeschränkt wirkt.

Verfeinern lässt sich der Klang mit der mitgelieferten Bose-App.

Insgesamt kann der Klang des SoundLink Micro auf voller Linie überzeugen: Kein anderer Hersteller hat es bisher geschafft, einen solch reifen Klang aus solch einem kleinen Format erklingen zu lassen. Bose legt die Messlatte für alle zukünftigen Modelle nun noch höher.

 



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