Anker SoundCore Flare 2 im Test: Das gelungene Update?

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Anker SoundCore Flare 2

Vor längerer Zeit konnte ich bereits den Anker SoundCore Flare testen. Dabei gefielen die stilvollen Lichteffekte, das robuste Stoffgehäuse und die ausdauernde Akkulaufzeit. Auch bei der Bedienoberfläche und dem Bluetooth-Pairing machte der chinesische Hersteller vieles richtig.

In der wichtigsten Disziplin, der Klangqualität, konnte der Party-Lautsprecher allerdings nicht so richtig überzeugen. Dafür fehlte den Bässen die nötige Kraft und Tiefgang, um moderne Musik wirklich authentisch wiederzugeben. Den Höhen mangelte es an Brillanz und Offenheit. Bei maximaler Lautstärke verkam Musik zum Mischmasch und war kaum noch genießbar.

Nun hat Anker einen Nachfolger, den Anker SoundCore Flare 2, auf den Markt gebracht. Dieser soll mit einem verbesserten, 360° Klang und zwei LED-Ringen an der Ober- und Unterseite punkten. Das Verbinden von bis zu 100 Anker-Lautsprechern soll nun möglich sein. 

Das wollte ich mir einmal genauer ansehen, so habe ich mir den Lautsprecher nach Hause bestellt, um ihn mit dem Vorgänger und ähnliche großen Konkurrenzmodellen zu vergleichen.

Ersteindruck/Design

Das Design hat sich im Vergleich zum Vorgänger nur minimal verändert: Statt der LEDs im Boden des Gehäuses, ist nun auch an der Oberseite ein LED-Ring angebracht, der beim Abspielen von Musik eine effektvolle Lichtershow liefert. An die beeindruckende „Lava-Lampen“ Lichtershow eines JBL Pulse 4 Lautsprechers kommt der SoundCore Flare 2 allerdings nicht annähernd heran.

Das Gehäuse ist um rund einen Zentimeter in der Höhe angewachsen; das Gewicht erhöht sich von vorherigen 531 Gramm auf 585 Gramm. Damit ist der Flare 2 immer noch portable genug, um ihn mal schnell im Rucksack oder der Sporttasche unterzubringen. In einer Jackentasche findet der Speaker allerdings keinen Platz.

Ansonsten bleibt alles beim Alten: Die Vorderseite wird weiterhin vom silbernen „SoundCore“ Logo geschmückt, während die Anschlüsse an der Rückseite positioniert und mit einer Gummikappe versehen sind. Die Oberseite ist gänzlich der Bedienung gewidmet.

Beim Oberflächenmaterial des Gehäuses lehnt sich Anker stark an der Konkurrenz (JBL, Ultimate Ears) an: Der netzartige Performance-Stoffüberzug schützt den Speaker beim Outdoor-Einsatz effektiv vor Kratzern und Stößen. Eine überhöhte Ansammlung von Schmutz oder Staub in den feinen Stoffmaschen konnte ich im Test nicht feststellen. Auch ein kleiner Sturz aus Kniehöhe konnte dem Speaker nichts anhaben.

Genau wie der Vorgänger ist auch der Flare 2 nach dem Schutz-Standard IPX-7 geschützt. Damit ist das zeitweilige Untertauchen von bis zu 30 Minuten bei einer maximalen Wassertiefe von 1m gewährleistet (Der Speaker treibt an der Wasseroberfläche). Damit kann man den Lautsprecher problemlos neben dem Pool aufstellen oder ihn mit an den See nehmen. Im Test konnte sich das bestätigen.

Der gummierte Standfuß an der Unterseite garantiert einen stabilen Stand. Selbst auf unregelmäßigen Untergründen kippt der Speaker nicht zur Seite. Kein Vergleich zum schmalen Standfuß eines JBL Charge 4 oder Marshall Stockwell 2.

Ein wenig ärgerlich ist, dass Anker nur ein Mikro-USB Kabel in den Lieferumfang legt. Nicht jeder Käufer hat zuhause einen freien Netzstecker auf Vorrat und muss so womöglich das umständliche Aufladen per USB-Buchse in Kauf nehmen. Für den Preis von rund 80€ hätte man durchaus noch einen Netzadapter mit ins Paket legen können.

Erhältlich ist der Lautsprecher in der Farbe schwarz.

Klangqualität

Am meisten war ich auf die klanglichen Qualitäten des Lautsprechers gespannt. Vor allem wollte ich wissen, ob Anker den eher durchschnittlichen Klang des Flare 2 aufgebessert hat, oder ob es nur um oberflächliche Produktpflege handelt.

Und tatsächlich: Nach wenigen Minuten Probehören ist klar, dass der SoundCore Flare 2 deutlich erwachseneren Klang liefert. Die Bässe reichen tiefer hinab als beim Vorgänger (teilweise bis 60Hz), sind präziser und kräftiger. Auch im Hochtonbereich sind klare Verbesserungen festzustellen: Hatte ich beim Vorgänger bemängelt, dass der Klang etwas gedämpft aus dem Stoffüberzug austritt, kann der Neue hier deutlich mehr überzeugen. Stimmen und Instrumente erklingen deutlich natürlich und klar, ohne schrill zu wirken. Auch die maximale Lautstärke ist deutlich angewachsen

Modelle wie den Bose SoundLink Revolve, den Party-Lautsprecher JBL Pulse 4 oder den ähnlich großen JBL Flip 5 spielt der Flare 2 damit an die Wand. Vorausgesetzt, man hat vorher die „Bass-Boost“ Taste aktiviert. Ohne diese wirkt der Klang nämlich ein wenig flach und leblos.

Beim Vergleich mit den Platzhirschen der Klasse werden dann allerdings die Unterschiede deutlich. Gegen das tiefe, druckvolle Bassfundament eines Marshall Stockwell 2, Denon Envaya DSB-250 oder auch des Schwestermodell Anker SoundCore Motion+ hat der Speaker keine Chance. Besonders bei höheren Lautstärken sind die Differenzen kaum zu verkennen: Während die Bässe beim Flare 2 bereits bei 70% der maximalen Lautstärke merklich in den Hintergrund treten, spielt der Stockwell 2 oder auch der SoundCore Motion+ bei hoher (und maximaler) Lautstärke noch mit kräftigen Tieftönen daher. Auch an die Präsenz, Offenheit und „Stereo-Bild“ eines Marshall Stockwell 2 kommt der Lautsprecher nicht heran.

Auch mit dem Ändern der Equalizer Einstellungen in der zugehörigen SoundCore App lässt sich wenig ausrichten. Die Frequenzbänder lassen sich hierfür einfach nicht fein genug justieren, um dem Klang eine deutliche Verbesserung abzugewinnen.

Der Rundum-Klang ist durchaus gegeben: Hält man den Lautsprecher vor sich und beginnt, ihn um die eigene Achse zu drehen, sind kaum Klangtrüben oder Sweetspots wahrnehmbar. Und das obwohl der Klang nicht wie etwa beim Bose SoundLink Revolve mithilfe technischer Finessen gleichmäßig nach unten abgestrahlt wird.

Insgesamt stellt der Flare 2 eine deutlich Verbesserungen zum Vorgänger dar. Auch wenn der Klang den Platzhirschen Stockwell 2 oder Envaya DSB-250 nicht das Wasser reichen kann, so ist der Klang für den gefragten Preis von rund 80€ doch ordentlich. Wer allerdings auf die Lichtershow verzichten kann, der sollte sich lieber den ähnliche teuren Anker SoundCore Motion+ genauer ansehen.

Pairing

Das initiale Bluetooth-Pairing ging im Test ohne Patzer vonstatten: Der Lautsprecher wird eingeschaltet, anschließend „SoundCore Flare 2“ im Bluetooth-Menü am Smartphone ausgewählt — und schon ist die Verbindung hergestellt. Das erfolgreiche Pairing wird von einem kurzen Piepston bestätigt.

Lobenswert ist, dass sich der Speaker beim erneuten, zukünftigen Verbinden automatisch mit den zuletzt verwendeten Endgerät wie z.B. Smartphone oder Tablet verbindet. Leider gibt der Hersteller in den „technischen Spezifikationen“ nicht an, wieviele Endgeräte gespeichert werden können.

Schade: Beim Vorgänger hatte ich bereits das Fehlen einer Multi-Pairing Funktion zum gleichzeitigen Verbinden mehrerer Geräte kritisiert. Leider hat Anker hier nicht nachgebessert: Möchte man zwischen mehreren Zuspielern wie z.B. Smartphone, Tablet oder Laptop hin- und her wechseln, so muss zuerst umständlich die Bluetooth-Verbindung gekappt werden. Das haben andere Hersteller wie Bose oder JBL schon seit Jahren besser gelöst. Das einfache Pausieren der Musik reicht hier aus — und schon kann der zweite Zuspieler die Wiedergabe übernehmen.

Immerhin hat der Audio-Hersteller im neuen Flare 2 die sogenannte „Partycast-Technologie“ verbaut. Mithilfe der kostenlosen „SoundCore“ App lassen sich hiermit bis zu 100 SoundCore Lautsprecher zu einer Klangeinheit zusammen schließen. Beim Vorgänger waren es gerade einmal 2 Lautsprecher. Die Lichteffekte werden dabei synchronisiert. Nützlich sein könnte das Feature zum Beispiel beim Filme schauen in den heimischen vier Wänden oder der kleinen Gartenfeier mit Freunden.

Auf weitere fortschrittliche Technologien wie AptX oder NFC verzichtet Anker.

Bedienung

Die Bedienoberfläche des Flare 2 bleibt weitestgehend unverändert. Die Einschalttaste bewegt Anker an die Gehäuseoberseite; die „Bass-Boost“ Taste wurde an die Hinterseite des Lautsprechers verbannt. Das Symbol der „Play-Taste“ wurde durch das ein kleines „SoundCore“ Logo ersetzt. Das war’s auch schon. Weitere Änderungen lassen sich nicht feststellen.

Die gummierte Gehäuseoberseite wird weiterhin mit fünf Tasten geschmückt. Schade ist hierbei, dass nicht alle Tasten beleuchtet sind und die restlichen Tasten aufgrund der geringen farblichen Abhebung in dunkleren Lichtverhältnissen nur schwer auszumachen sind. Das hatte ich bereits beim größeren Modell SoundCore Motion+ bemängelt. Andere Hersteller haben dies bereits deutlich besser gelöst.

Die Bass-Boost und Bluetooth-Taste verbaut Anker an der Rückseite des Lautsprechers. Hier hätte ich die Positionierung an der Gehäuseoberseite bevorzugt, um beim Umgreifen des Lautsprechers ein versehentliches Drücken der Tasten zu vermeiden. Immerhin: die zwei Tasten sind ein wenig tiefer ins Gehäuse eingelassen und lassen sich nur durch mehrsekündiges Gedrückthalten aktivieren.

Positiv ist die Musiksteuerung direkt am Lautsprecher: Durch kurzes Drücken der mittleren „SoundCore-Taste“ wird Musik pausiert bzw. fortgesetzt. Durch zweimaliges Drücken gelangt man zum nächsten Song, mit dreimaligem Drücken springt man zum vorherigen Titel. Das ist praktisch, so muss ich nicht immer zum Smartphone greifen, um meine Musikplaylist zu navigieren. Im Test gelang dies ohne Patzer, selbst beim Ansehen von Youtube Musikvideos.

Über die „Sonnen-Taste“ lassen sich fünf verschiedene Lichteffekte einstellen. Die „SoundCore App“ ermöglicht das Einstellen weiterer Farbschemata wie z.B. „Frühling“ oder „Schlafenszeit“; die Lichtstärke und Lichttakt können ebenfalls angepasst werden. Wer auf die Lichtershow verzichten möchte, kann diese auch deaktivieren.

Einen Sprachassisenten für die vereinfachte Bedienung verbaut Anker nicht im neuen Flare 2. Dafür sind beim Hochfahren des Lautsprecher sowie bei erfolgreicher Bluetooth-Kopplung Piepstöne zu hören, die man noch etwas schlichter hätte gestalten können.

Etwas unpraktisch ist das Fehlen einer Akkustand-Anzeige. Nur über die „SoundCore App“ lässt sich der aktuelle Akkustand erfahren. Mehrere kleine LED-Leuchten wären hier intuitiver gewesen. Schade, dass Anker hier nicht nachgebessert hat.

Zwar verfügt der Lautsprecher über keine Freisprecheinrichtung zum Annehmen von Anrufen. Jedoch lässt sich durch mehrsekündiges Gedrückthalten der „Play-Taste“ auf Siri, Google Assistant oder Alexa zugreifen. Wie nützlich diese Funktion im Alltag wirklich ist, muss jeder Nutzer für sich selbst entscheiden.

Aufgeladen wird der Flare 2 über die USB-Buchse an der Rückseite.

Akkulaufzeit/Reichweite

Bei der Akkulaufzeit und Bluetooth-Reichweite lassen sich kaum Veränderungen zum Vorgänger feststellen.

Die Bluetooth-Reichweite spielte problemlos durch zwei 15cm dicke Wände hindurch. Erst als ich mich hinter die dritte Steinwand bewegte, begann die Musik zu stottern bis sie letztlich ganz abbrach. Auf freier Strecke in Außenbereich konnte ich eine Reichweite von rund 30 Metern messen, das ist ein ordentlicher Wert. Damit lässt sich locker eine kleine Feier im Garten bespielen.

Probleme oder Verzögerungen von Bild und Ton konnte ich im Test nicht feststellen. Egal ob Filme oder Youtube-Videos, es waren keine merklichen Verzögerungen wahrzunehmen.

Die Akkulaufzeit beziffert Anker nach wie vor mit 12 Stunden. Auf der Webseite ist von „250 Liedern ohne Unterbrechung“ die Rede. Der Wert zeigte sich im Test als durchaus realistisch: Erst nach 10:05 Stunden Spielzeit bei mittlerer Lautstärke ging dem kleinen Speaker die Puste aus. Bei voller Lautstärke waren es dann nur noch 3:20 Stunden. Insgesamt kann Anker hier als innovativer Hersteller von Powerbanks und Energy-Management Systemen seine Stärken voll ausspielen. 

Fazit

Insgesamt handelt es sich beim Anker SoundCore Flare 2 um einen gelungenen Party-Lautsprecher, der mit einer ordentlichen Akkulaufzeit, einem robusten Gehäuse und einer intuitiven Bedienung überzeugen kann. Besonders die effektvollen Lichteffekte machen den Lautsprecher zum Hingucker. Auch klanglich kann der Lautsprecher überzeugen: Die Bässe sind deutlich kräftiger als beim Vorgänger, die Höhen treten klarer aus dem Gehäuse aus. Modelle wie den SoundLink Revolve oder den JBL Flip 5 stellt der Lautsprecher in den Schatten. An die Klangqualität größerer Lautsprecher wie dem Marshall Stockwell 2, Anker SoundCore Motion+ oder dem Denon Envaya DSB-250 kommt der Flare 2 allerdings nicht heran.

Insgesamt ist der SoundCore Flare 2 allen zu empfehlen, die einen robusten Party-Lautsprecher im unteren Preissegment suchen. Wer auch effektvolle Party-Lichter keinen Wert legt, der sollte sollte sich den gleichpreisigen SoundCore Motion+ genauer ansehen.

 



  1. Peter

    Den Vergleich mit dem Bose SoundLink Revolve finde ich spannend, zumal dieser ja fast das Doppelte kostet. Hier würde ich mich noch über einen direkten Klangvergleich freuen. Viele Grüße, Peter

  2. Trioz

    Sagmal, bei mir funktioniert das Einstellen der eigenen Lichteffekte und Bewegungsmuster über die App aus irgendeinem Grund nicht. Hat jemand anders dieses Problem auch? Vielleicht sollte ich es mal mit einem Update des Lautsprechers versuchen? Hmm….

  3. ManuelScheu

    Hallo,

    ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum Anker überhaupt die Bass-Boots Taste verbaut, wenn der Klang doch ohne die Taste basstechnisch kaum zu gebrauchen ist.

    Ich habe in letzter Zeit immer mal wieder im Mediamarkt die Lautsprecher probe gehört. Kann das unterstreichen, dass der Marshall Stockwell 2, der Denon Envaya DSB-250 was taugen. Den Anker Motion+ konnte ich leider noch nicht Probe hören.

    Vielen Dank für den Vergleich.

    Grüße


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