LG Music Flow P7 im Test

Den meisten ist der südkoreanische Hersteller LG für seine Fernseher, Smartphones und Haushaltsgeräte bekannt. Auf dem Bluetooth Lautsprecher Markt war das Unternehmen bislang nur schwach vertreten – mit dem Music Flow P7 soll sich das ändern. Der stylische Lautsprecher soll LG auch in diesem Segment zu einem Player machen. Ob das gelingt, wollte ich genauer wissen und so habe ich mir die Box einmal aus der Nähe angesehen und mit der direkten Konkurrenz wie SoundLink Mini, Envaya Mini oder JBL Charge 2 verglichen.

Ersteindruck

Auf den ersten Blick fällt direkt die Ähnlichkeit zum Spitzenmodell SoundLink Mini von Bose auf. Das silberne Aluminiumgehäuse, die zwei Anschlüsse an der rechten Seite sowie der gummierte Standfuß an der Unterseite –die Gemeinsamkeiten sind nicht zu verkennen. LG scheint sich hier am bewiesenen Designkonzept bedienen zu wollen.

Dennoch kommt kein wirkliches “Premium-Feel” wie bei Bose auf, das liegt zum einen am weniger hochwertigen Lautsprechergitter mit großen Maschen sowie der leicht billig wirkenden Kreistaste an der Oberseite. Auch ist das Gehäuse ca. 1/4 größer wie bei Bose. Dennoch gefällt mir die Optik besser als bei so manch anderem Lautsprecher – man denke etwa an Boxen im Turnschuh-Design oder Partyflaschen mit blinkend grellen Lichtern.

Trotz der kompakten Maße drückt der Music Flow P7 einiges an Gewicht auf die Waage, 700 Gramm um genau zu sein. Damit passt er nicht mehr in eine Jackentasche, kann aber problemlos im Rucksack an den See oder zum Sport mitgenommen werden.

Wer Wert auf ultrakompakte Maße legt sollte sich den Denon Envaya Mini oder den noch kleineren JBL Clip genauer ansehen. Mit dem gummierten Standfuß an der Unterseite steht er auch auf unregelmäßigen Untergründen stabil.

Klangqualität

Besonders gespannt war ich zu sehen, ob der Music Flow P7 es seinem optischen Vorbild auch klanglich gleich tun würde. Laut Hersteller sollen zwei duale Passivradiatoren mit ordentlichen 20 Watt Leistung für perfekten Klang sorgen. Doch nach den ersten paar Sekunden Testhören macht sich bereits Ernüchterung breit: Der Lautsprecher kann es mit den Spitzenkandidaten Soundlink Mini, JBL Charge 2 oder Denon Envaya Mini nicht aufnehmen. Dazu fehlen die tiefen, präzisen Bässe sowie der klare, räumliche Klang. Stattdessen hat man oft den Eindruck (besonders bei Klassik oder Pop), als wären Gitarrentöne im Gehäuse gefangen. Das räumliche Stereo-Klangbild eines Envaya Mini lässt den P7 alt aussehen. Selbst ein SoundLink Mini, der nicht gerade für kristallklaren Sound bekannt ist, klingt deutlich offener und lässt den P7 dumpf klingen.

Die Bässe sind zwar durchaus vorhanden, doch sind diese bereits bei 65 Hz abgeriegelt – für anspruchsvolle Hip-Hop oder Deep-House Musik ist der P7 damit nicht zu gebrauchen. Teilweise werden tiefe Töne sogar ganz verschluckt. Was der P7 gar nicht kann sind Kickbässe. Hier ist ausschließlich der Oberbass zu hören, das Ganze erinnert mehr an ein Klopfen an eine alte Holztür.

Die maximale Lautstärke des  P7 ist zwar beachtlich und übertrifft alle anderen Konkurrenten. Doch ab ca. 70% der Gesamtlaustärke wirkt der Klang bereits sehr angestrengt. Die Bässe verschwinden im Hintergrund und der Klang wird flach und ungenießbar. Da verzichte ich lieber auf etwas Lautstärke, habe aber bis oben hin noch kräftige Bässe und ein ausgewogenes Klangbild. Denn was bringen mir die zusätzlichen Dezibel, wenn ich sie letztendlich nicht gebrauchen kann.

Insgesamt hat mich der Music Flow P7 klanglich enttäuscht und ich hätte mir vom südkoreanischen Hersteller mehr erhofft. Vielleicht hatte ich meine Erwartungen nach dem schicken Design etwas zu hoch gesteckt.

Pairing

Die Kopplung von Bluetooth Lautsprecher und Smartphone gelang im Test mühelos. Lautsprecher einschalten, Bluetooth aktivieren und “LG Music Flow P7” auswählen. Innerhalb weniger Sekunden stand die Verbindung und der Speaker war einsatzbereit.

Neben dem standardmäßigen Pairen kann der LG noch einiges mehr. Mit der “Multipairing Funktion” können bis zu drei Endgeräte gleichzeitig mit dem Lautsprecher verbunden werden. Wer seinen Lautsprecher also mit Tablet und Smartphone gleichzeitig verbinden möchte, muss nicht immer umständlich abkoppeln und kann zwischen beiden Geräte hin- und herschalten. Auch gut gefällt mir die “Dual Play” Option. Besitzt man einen zweiten LG Speaker, kann man beide zu einer Art Stereo-Anlage zusammenschließen und der Sound wird noch breiter. Vorbildlich!

Bedienung

Die Bedienung des Musicflow P7 könnte einfacher nicht sein. Über das kreisförmige Steuerkreuz an der Oberseite kann man die Lautstärke einstellen, Musik pausieren/fortsetzen sowie den Bluetooth Modus aktivieren. An- und ausschalten kann man den Lautsprecher über die mittlere Taste.

Dass LG auf eine Freisprechfunktion verzichtet finde ich gut. Denn diese kommt meiner Erfahrung nach nur sehr selten zum Einsatz und bereitet mit umständlicher Einrichtung meist mehr Kopfschmerzen als Nutzen. Auch eine NFC-Funktion könnte man bemängeln – doch auch diese bietet in der alltäglichen Praxis nur wenig Mehrwert. In Apple-Geräten ist bis heute keine NFC-Einheit verbaut und nach erstmaliger Bluetooth-Kopplung mit dem Smartphone steht die Verbindung in der Regel innerhalb weniger Sekunden.

Bei den Anschlüssen beschränkt sich LG auf das Minimum. Über die Micro-USB Buchse an der rechten Seite lässt sich der Lautsprecher bequem über den Laptop aufladen. Ein Netzstecker für das Laden über die Steckdose wäre noch praktisch gewesen. Über den AUX-Eingang kann man den Speaker mit einem Audio-Kabel an den Lautsprecher koppeln.

Reichweite/Akkulaufzeit

Laut Hersteller soll der verbaute Ionen-Akku satte 12 Stunden Musikgenuss bieten. Ein stolzer Wert! Das ist fast doppelt so lange wie die Spielzeit des SoundLink Mini. In der Praxis erreichte der P7  einen etwas realistischeren Wert von 9,5 Stunden (1/3 Lautstärke). Das ist immer noch gut, kommt aber nicht an die 14 Stunden des Fugoo Sport heran. Bei voller Lautstärke waren es noch ganze 3 Stunden Spielzeit. Das ist ein durchschnittlicher Wert.

Für den Test der Reichweite habe ich den Bluetooth Lautsprecher mit nach draußen genommen, hier brach die Verbindung bereits nach 15 Metern ab. Ärgerlich ist, dass die Verbindung nach Abbruch wieder komplett neu aufgebaut werden muss. Der Lautsprecher versucht nicht automatisch, sich erneut mit dem letzten Musikzuspieler zu verbinden. Sobald eine Wand dazwischen liegt, beginnt die Musik zu stottern. Das können andere Lautsprecher besser. Teilweise reicht hier die Verbindung durch dickere Steinwände und bricht erst nach 30 Metern ab.

Fazit & Empfehlung

Insgesamt hat mich der LG Music Flow klanglich enttäuscht. Das Klangbild ist leicht dumpf und unausgeglichen, so wirken akustische Instrumente teilweise, als seien sie im Klangkörper gefangen. Zwar ist die maximale Lautstärke überdurchschnittlich hoch, doch bei höheren Lautstärken (ab ca. 70%) wird der Klang schnell ungenießbar, da die Bässe zu sehr in den Hintergrund treten und Musik angestrengt klingt. Das können andere Lautsprecher wie der Denon Envaya Mini, JBL Charge 2 oder Bose SoundLink Mini besser. Für anspruchsvolle Hip-Hop oder Deep House Musik reichen die Bässe nicht tief genug, Kickbässe klingen durch den betonten Oberbass wie ein Klopfen gegen eine Holztür.

Positiv ist, dass bei der Bedienung auf zusätzlichen Technik-Schickschnack verzichtet wird und alle wesentlichen Funktionen vorhanden sind. Auch beim Pairing zeigt sich LG vorbildlich: alle technischen Möglichkeiten wie Multi- und Stereo-Pairing sind mit an Bord. Die Akkulaufzeit ist mit 9,5 Stunden überdurchschnittlich hoch, die Reichweite dafür mit nur 15 Metern unterdurchschnittlich. Trotz des schicken Äußeren und der genannten Stärken, kann ich den LG Music Flow P7 nur bedingt empfehlen.

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4.0 von 5 Sternen(20 Rezensionen)

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There are 4 comments

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  1. Soundfreak

    Die Ähnlichkeit zum Soundlink Mini ist wirklich nicht zu übersehen. Ich frage mich was LG sich dabei gedacht hat, das könnte ja fast schon zu rechtlichen Problemen führen. Danke für den Testbericht, hast du dir schon einmal überlegt, noch Klangbeispiele/Vergleiche einzubauen? Ich denke, dass das sehr hilfreich wäre. LG

    • Philipp

      Ja, mir ist die Ähnlichkeit auch direkt nach dem Auspacken aufgefallen. Vor allem der Standfuß und die seitlichen Anschlüsse ähneln sich sehr. Und ja, ich hatte bereits vor, vergleichende Soundaufnahmen in die Testberichte einzubauen, bin aber aus zeitlichen Gründe noch nicht dazu gekommen. Mit einigen Videos habe ich mich mal versucht, die findest du unter der Rubrik “Klangvergleich”. In nächster Zeit werde ich dies aber umsetzen, dazu muss ich noch das passende Setup finden und das richtige Mikrofon für die Aufnahme auswählen. Danke für das Feedback! Grüße

  2. oluv

    Fand den LG selbst auch eher mager, vor allem auf höheren Lautstärken. Aber war der bei dir echt so laut? Ich hab ihn damals im Laden gegen den Denon gehört und hatte nicht den Eindruck als wäre der LG so viel lauter gewesen, dafür klang der Denon immer noch nach Lautsprecher, während der LG eher an einen Radio erinnert hat.

  3. Philipp

    Hallo Oluv, ich habe zur Ausführlichkeit halber nochmal die Lautstärke der Lautsprecher verglichen und nachgemessen. Der LG ist in der Tat ein wenig lauter als der Denon Envaya Mini. Ich würde um ca. 1/5 schätzen. Der JBL Charge 2 ist allerdings nochmal einen Tick lauter. Ich werde den Testbericht dahingehend noch anpassen. Danke für das Feedback.


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