Harman Kardon Esquire: Klingt die Box so gut wie sie aussieht?

Kleine, tragbare Bluetooth-Lautsprecher gibt es wie Sand am Meer auf dem Markt und sie scheinen wie warme Semmeln über die Ladentheke zu gehen. Die einen sind günstig und farbenfroh, andere wasserfest und wieder andere wollen allein mit ihrer Lautstärke punkten – doch nur wenige schaffen es, in allen wichtigen Disziplinen zu überzeugen: Design, Akkulaufzeit, Pairing, Klangqualität und Bedienung. Teilweise schmilzt die Akkulaufzeit binnen weniger Stunden dahin oder die Bässe sind zu schwach auf der Brust. Bisher konnten mich nur wenige Geräte in dieser Größenklasse wirklich überzeugen, darunter etwa Bose SoundLink Mini, der JBL Charge 2 oder der Denon Envaya Mini.

So war ich gespannt, wie es um die inneren Werte des optisch edlen Harman Kardon Esquire (derzeit etwa 150 Euro) steht. Ob der Lautsprecher so gut klingt wie er aussieht?

Ersteindruck

Selten habe ich einen designtechnisch so schicken Lautsprecher wie den Harman Kardon Esquire gesehen. Mit seiner Aluminium-Leder-Optik entspringt er direkt dem Katalog eines edlen Innenraumausstatters. Die reflektierenden, abgeschliffenen Seitenränder hinterlassen nicht nur einen visuellen Glanz, sondern auch den Eindruck einer hochwertigen Materialwahl (was in diesem Fall auch zutrifft). Die Verarbeitung ist nahezu makellos: Alle Materialübergänge sind sauber verarbeitet, nichts knarzt und selbst die Gravur in das Leder am Gehäuserücken sitzt perfekt.

Für den hartgesottenen Outdoor-Einsatz bei Wind und Wetter ist das Gerät aber nur bedingt zu empfehlen. Zwar liegt dem Lieferumfang eine kleine, ebenfalls sehr edel anmutende und gepolsterte Transporttasche bei, doch das Gehäuse selbst ist weder spritzwassergeschützt noch besonders stoßfest – hier wäre das Motto „Funktion statt Design“ richtig gewesen. Für den Strandurlaub eignet sich der Fugoo Sport oder auch der UE Boom von Logitech besser. Die Zielgruppe des Esquire dürfte nicht zuletzt aufgrund des Preises aber ohnehin nicht die typische Partygemeinschaft am Baggersee sein. (Es ist übrigens auch eine ultramobile Mini-Variante des Harman Kardon Esquire verfügbar.)

Außer dem Lautsprecher und der Transporttasche enthält die Verpackung nur die nötigsten Utensilien: ein Micro-USB-Kabel, eine Kurzanleitung sowie ein Netzteil mit zwei Adaptern. Ideal, denn so ist man nicht auf das Laden am Computer angewiesen.

Klangqualität

Wo der Harman Kardon Esquire im Bereich Design punktet, lässt er hinsichtlich des Klangs leider Punkte liegen. Dem kompakten Bluetooth-Lautsprecher fehlen einfach die kräftigen, tiefen Bässe und die Höhen sind nicht so kristallklar, wie ich es mir wünschen würde. Insgesamt weckt der Sound Erinnerungen an ein typisches Küchenradio. Die Qualität ist insgesamt zwar nicht schlecht und es sind auch bei hohen Lautstärken keine Verzerrungen hörbar, doch nach dem Probehören dutzender Mobillautsprecher in den letzten Monaten kann mich der Klang nicht beeindrucken – denn wenn ein Name wie Harman Kardon auf dem Gerät prangt, stellt man natürlich von vornherein gewisse Ansprüche.

Hier bieten andere Lautsprecher in derselben Preisklasse einen besseren, volleren Klang über das gesamte Spektrum. Der Charge 2 von JBL zum Beispiel erzeugt selbst bei hohen Lautstärken noch einen sehr bassstarken, natürlichen Klang (man sollte sicherstellen, eine geupdatete Version zu kaufen). Auch der Denon Envaya Mini ist dem Esquire klanglich Meilen voraus. Er bietet aufgrund seiner länglichen Bauform einen für die Größenklasse beeindruckenden Stereo-Klang mit mittelkräftigen Bässen.

Die Lautstärke des Esquire ist ungewöhnlich hoch und auf gleichem Niveau wie die des Bose SoundLink Colour. Der SoundLink Mini kann hier nicht mithalten. Der Klang ist bei maximaler Lautstärke zwar nahezu verzerrungsfrei, wirkt dann allerdings sehr angestrengt und kratzt ohne die unterstützenden Bässe förmlich in den Ohren. Auch schade: Bei niedrigen Lautstärken ist vom (ohnehin schwachen) Bass kaum etwas zu hören. Hier hätte Harman dynamisch etwas nachregeln und die Bässe anheben können, was gleichzeitig das Anwendungsgebiet des Bluetooth-Lautsprechers verbreitert hätte: Ich selbst lasse beim Arbeiten gerne leise Deep-House-Tracks im Hintergrund laufen, wobei auch bei niedriger Lautstärke Bässe essenziell sind. Wenn dabei nur flacher, leerer Sound ohne Tiefe aus dem Lautsprecher dringt, schalte ich die Musik lieber ganz aus – womit der Esquire mir für diese Aufgabe schon nicht mehr gefällt.

Das Marketing hat hier wieder einmal ganze Arbeit geleistet, denn die Beschreibung der „dualen Hochleistungs-Treiber mit Bass-Port“ sah vielversprechend aus. Das ist schade, haben Harman Kardon und auch JBL in den letzten Jahren doch bewiesen, dass sie ausgewogen klingende, portable Lautsprecher herstellen können. Ich führe in diesem Zusammenhang gerne noch einmal den JBL Charge 2 an.

Bedienung

Bei der Benutzerführung gibt es nichts zu meckern. Es ist alles da, was man im alltäglichen Einsatz braucht. An der Oberseite lassen sich der Lautsprecher anschalten, die Lautstärke regeln, Lieder pausieren und fortsetzen, Titel stumm schalten sowie der Pairing-Modus aktivieren. Mehr muss ein Bluetooth-Lautsprecher nicht können.

Praktisch: Über die Telefon-Taste lassen sich eingehende Anrufe annehmen und mithilfe des verbauten Mikrofons kann man den Lautsprecher als Freisprecheinrichtung nutzen. Im Test funktionierte das problemlos, wobei gelegentliche, leise Störgeräusche zu hören waren. Die allgemeine Reaktion meiner Gesprächspartner war ein schnelles: “Bin ich auf Lautsprecher?” Einen meiner Meinung nach großen Fehler leistet sich der Esquire allerdings: Man kann nicht zum nächsten oder vorherigen Lied springen. Auch mit Tastenkombinationen ist das nicht machbar.

Wie bei so manch anderem Lautsprecher von JBL sind auch beim Harman Kardon Esquire die Signaltöne sehr laut. Selbst wenn der Lautsprecher auf der untersten Lautstärkestufe eingestellt ist, ertönt nach dem Einschalten beziehungsweise einer erfolgreicher Bluetooth-Kopplung ein (zu) deutlich wahrnehmbarer Signalton. Diese Geräusche kann man offenbar auch nicht abschalten, denn nach einem ausgiebigen Blick in die Kurzanleitung sowie einer mehrminütigen Online-Recherche konnte ich keine Informationen dazu finden.

Als Anschlüsse verbaut Harman Kardon einen Micro-USB-Anschluss sowie einen AUX-Eingang.

Die LEDs an der Oberseite des Lautsprechers leuchten bei erfolgreicher Bedienung angenehm blau und dezent. Der zusätzliche Strombedarf ist zu vernachlässigen, stilistisch passt das Licht aber sehr schön zum Design des Lautsprechers. Gut gelöst: An der Seite sind fünf weiße (nicht störende) Lämpchen angebracht, die den verbleibenden Akkustand zuverlässig anzeigen.

Positiv ist, dass die Lautstärke mit dem jeweiligen gepairten Gerät – im Test ein iPhone 5S – synchronisiert wird. Erhöht man also am Lautsprecher die Lautstärke, wird auch der Lautstärkeregler am Smartphone angehoben. Insgesamt ist die Lautstärke in 16 Stufen eingeteilt. Das gefällt mir besser als die 100 Stufen bei den Bose Lautsprechern, denn wer hört schon einen Unterschied zwischen (beispielsweise) 67 und 68? Allerdings hätte man die Lautstärkesprünge bei den unteren Stufen noch ein wenig reduzieren können, um die Feinjustierung noch ein wenig exakter zu ermöglichen. Besonders beim Abspielen leiser Hintergrundmusik können diesen groben Stufen störend sein.

Pairing

In Sachen Pairing gelingen dem Esquire keine Überraschungen. Das Herstellen der Bluetooth-Verbindung passiert mühelos: Lautsprecher einschalten, Bluetooth am Smartphone aktivieren und den Esquire auswählen – schon steht die Verbindung. Beim nächsten Einschalten wird der Lautsprecher automatisch mit dem letzten Zuspielgerät verbunden.

Praktisch: Der Esquire verfügt über die zeitgemäße Near Field Communication (NFC). So kann der Lautsprecher gekoppelt werden, indem man ein NFC-fähiges Gerät für einige Sekunden in die Nähe des NFC-Symbols an der Rückseite des Lautsprechers hält. Eine Bluetooth-Kopplung ist hier nicht erforderlich. Neuere Features wie Stereo-Pairing (dem Herstellen einer Art Stereo-Anlage mit einem zweiten Lautsprecher) oder das Verbinden mit mehreren Geräten gehören leider nicht zum technischen Repertoire des Harman Kardon Esquire.

Reichweite/Akku

Harman Kardon gibt eine Wiedergabezeit von 10 Stunden an. Im Test kamen wir bei 1/3 der Lautstärke auf einen Wert von 7 Stunden. Das ist ein durchaus guter Wert. Zwar liegen damit zu den 30 Stunden des Fugoo Sport ganze Welten, doch darf man nicht vergessen, dass der Esquire kein Lautsprecher für den Außeneinsatz ist und die Akkulaufzeit damit nebensächlich sein dürfte.

Eine Sache störte mich dann aber doch: Die Ladezeit beträgt ganze 5 Stunden! Das ist für einen Lautsprecher in dieser Größe einfach zu viel. Vergleichbare Geräte wie der SoundLink Mini oder Sony SRS-X3 brauchen in der Regel 2,5 bis 3 Stunden für einen vollständigen Ladevorgang. Das ist gerade einmal die Hälfte und die technischen Features des Esquire entschuldigen nicht für einen derart langen Ladezyklus.

Die Reichweite kann sich mit knapp 20 Metern auf freier Strecke sehen lassen, wenngleich der Harman Kardon-Lautsprecher auch hier keine Rekorde aufzustellen vermag.

Fazit

Der Harman Kardon Esquire gehört mit seinem Aluminium-Leder-Look zu den optisch schönsten Bluetooth-Lautsprechern am Markt. Die Klangqualität bewegt sich leider auf keinem so hochwertigen Niveau: Die Bässe fallen im Vergleich zur Konkurrenz einfach zu schwach aus und die Höhen verschwimmen im Klangteppich. Zwar spielt die tragbare Box überdurchschnittlich laut, bei maximaler Lautstärke ist der Klang allerdings nicht zu gebrauchen – die Bässe sind kaum vorhanden, die Höhen zu überbetont. Das können auch die gute Akkulaufzeit und die ordentliche Reichweite nicht mehr ausgleichen. Bei einem Preis von 150€ wird der Esquire wohl nur für Design-Liebhaber in Frage kommen. Alle anderen sollten zu Modellen wie dem Bose SoundLink Mini, JBL Charge 2 oder dem Denon Envaya Mini greifen.

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4.3 von 5 Sternen(11 Rezensionen)

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There are 2 comments

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  1. Paul Essler

    Ich hatte mir den Harman Esquire ebenfalls angehört, war vom Klang aber nicht besonders beeindruckt. Da fehlen einfach die Bässe. Bose fand ich da schon deutlich besser, so hab ich mich für den soundlink Mini entschieden. Klanglich ist der einfach top.

  2. Tobias Krüger

    Ich habe den Esquire seit mittlerweile über einem Jahr in Gebrauch und nutze ihn überwiegend, um meinen Unterricht in wechselnden Räumlichkeiten mit Musik zu beschallen. Dabei macht er eine deutlich souveränere Figur, als all die anderen Lautsprecher, gerade weil er nicht mit wummernden Bässen stört, wie die Konkurrenz. Gerade der gute Klang bei hohen Lautstärken zeichnet ihn aus und er eignet sich definitiv perfekt, wenn man mit kleinem Aufwand auch einmal größere Räume beschallen muss. Im Vergleich zu einem JBL Charge 2(+) oder einem Bose Soundlink Mini würde ich dem Esquire immer deutlich den Vorzug geben.


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